Kolumne : Aha: Warum machen Babys Bäuerchen?

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„Kannst Du sie mal einen Augenblick halten?“ Schon habe ich Antonia im Arm. Meine Stimme klettert eine Oktave höher, doch das ändert nichts daran, dass die Kleine lieber bei der Mutter geblieben wäre. Mutter spendet Nestwärme und Milch, ich habe nicht mal ein Spucktuch. Als das erste Bäuerchen kommt – „Gut gemacht, Antonia!“ –, gilt meine erste Sorge nicht dem Baby, sondern meinem Kaschmirpullover. Muss das sein?

Gemessen am kleinen Körper nimmt ein Säugling erstaunliche Nahrungsmengen zu sich. So trinkt ein fünf Kilogramm schweres Baby mühelos 200 Milliliter. Bei einem 70 Kilogramm schweren Erwachsenen würde das einer Mahlzeit von 2,8 Litern entsprechen.

„Wenn dann noch viel Luft mitgeschluckt wird, steigt der Druck im Magen“, sagt Sibylle Koletzko, Leiterin der pädiatrischen Gastroenterologie an der Uniklinik München. Der kleine Magen muss erst einmal Luft ablassen. Sie entweicht am schnellsten in aufrechter Körperhaltung. Deshalb ist es wichtig, Babys nach dem Essen auf dem Arm zu tragen.

Die Luft findet ihren Weg durch ein Ventil nach oben: den Schließmuskel am Übergang von Speiseröhre zu Magen. Es lässt die Nahrung in der Regel nur in eine Richtung durch. Bei Überdruck jedoch öffnet es sich kurz. Mit der Luft kann dann ein Teil des Mageninhalts zurück in die Speiseröhre fließen.

„Wenn das zehn oder 20 Milliliter sind, reicht das beim Erwachsenen nur ins untere Drittel der Speiseröhre“, so die Kinderärztin. Daher nehmen wir einen solchen Reflux kaum wahr. „Bei einem Neugeborenen fasst die gesamte Speiseröhre aber nur zehn Milliliter. Das reicht dann rasch bis zum Mund oder wird mit der Luft nach draußen befördert.“ Wo bestenfalls ein Lätzchen darauf wartet. Ups!

Bäuerchen sind meist harmlos und auch in der Tierwelt verbreitet. Gefährlich für uns kann das Bäuerchen einer Zecke werden. Denn mit dem Mageninhalt gelangen Krankheitserreger wie Borrelien in unseren Körper. Daher sollte man Zecken rasch entfernen: zu Beginn ihres Saugaktes und ohne sie zuvor mit Öl oder anderen Hausmitteln zu einem Bäuerchen zu reizen.

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