Kolumne : Aha: Warum machen schmutzige Lappen sauber?

Thomas de Padova

„Wir haben schmutziges Spülwasser und schmutzige Küchentücher, und doch gelingt es, damit die Teller und Gläser schließlich sauberzumachen. Genauso haben wir in der Sprache unklare Begriffe und eine eingeschränkte Logik“, sagte der dänische Quantenphysiker Niels Bohr. „Und doch gelingt es, damit Klarheit in unser Verständnis der Natur zu bringen.“ Bohr löste knifflige Fragen zum Aufbau der Atome. Das Rätsel schmutziger Küchentücher hat er der Nachwelt überlassen. Sie hat es sich nicht durch die Lappen gehen lassen.

Im technischen Zentrum der Freudenberg-Haushaltsprodukte KG in Weinheim werden der „Vileda“-Wischmopp und Putztücher aus Baumwolle, Viskose oder Mikrofasern entwickelt und getestet. Sie zeichnen sich durch eine hohe Aufnahmekapazität für Schmutz aus, erläutert der Chemiker Joaquin Barrera. Sand oder Staub haften nur schwach an Oberflächen und lassen sich leicht wegwischen. „Am besten mit einem flauschigen Tuch.“ Es hält viele Partikel fest.

Auch wasserlöslicher Schmutz macht beim Putzen kaum Probleme. Trotzdem hilft unter Umständen Seifenlauge auf dem feuchten Tuch. „Das Wasser benetzt die Oberfläche dann besser.“

Wassermoleküle sind den Anziehungskräften ihrer Nachbarmoleküle ausgesetzt. Moleküle an der Flüssigkeitsoberfläche werden nach innen gezogen, kleine Wassermengen ziehen sich zu Tropfen zusammen. Spülmittel verringert die Oberflächenspannung des Wassers, es wird „flüssiger“, dringt leichter in Ritzen und wäscht Schmutz heraus.

Putzmittel kommen gegen fettigen, wasserunlöslichen Schmutz zum Einsatz. Beim Geschirrspülen sind Seifenmoleküle ideale Mittler: Die länglichen Moleküle haben einen Schwanz, der sich an fettigen Schmutz anlagert, während der wasserliebende Kopf die so umhüllten Partikel ins Waschwasser zieht. „Das Tuch ist dabei nur ein Hilfsmittel, um die Chemie auf die Oberfläche zu bringen“, sagt Barrera. Das geht selbst dann noch, wenn das Spültuch bereits schmutzig ist.

Ob man Spülmittel benötigt oder ob Wasser und Scheuern ausreichen, hängt vom Schmutz und der Oberfläche ab. Die Sauberkeit liegt im Auge des Betrachters. Wer Gläser poliert und dabei über Quantenphysik grübelt, verpasst womöglich den Zeitpunkt, zu dem die Aufnahmekapazität des Küchentuchs überschritten wird.

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