Kolumne : Aha: Warum sind nachts alle Katzen grau?

Thomas de Padova

Mit der Abenddämmerung verblassen sämtliche Farben. Ein dunkler Schleier legt sich über die Welt. Genauer gesagt: über unsere Augen. Denn für Labkrautschwärmer oder Helmkopfgecko ist die Nacht ähnlich bunt wie der Tag. Sie können noch im schwachen Licht der Sterne Farben unterscheiden.

Wer die Welt farbig sieht, dessen Netzhaut ist mit mehreren Arten von Sinneszellen ausgekleidet. So verfügt das menschliche Auge über drei verschiedene Typen farbempfindlicher Rezeptoren: Zapfen, die für kurze, mittlere und längere Lichtwellenlängen besonders sensibel sind, entsprechend den Farben Blau, Grün und Rot. Die Eindrücke werden über Nervenfasern ans Gehirn weitergeleitet und miteinander verrechnet.

Der Helmkopfgecko sieht über seine farbtüchtigen Zapfen bei Tag und bei Nacht. Dagegen ist das menschliche Auge nur tagsüber aufs Farbensehen eingerichtet. Sobald es dunkel wird, werden alle Katzen grau. Nun kommen statt der Zapfen die Stäbchen ins Spiel.

„Zapfen brauchen sehr viel Licht, um angeregt zu werden“, sagt der Biophysiker Ulrich Benjamin Kaupp vom Forschungszentrum Caesar in Bonn. „Deshalb ist nachts das Stäbchensystem aktiv.“ Schon ein Lichtteilchen, ein Photon, reicht aus, um ein Stäbchen zu reizen.

„Die Sehzelle registriert das Lichtsignal nicht bloß, sie verstärkt es“, sagt Kaupp. Zunächst fängt der Sehpurpur, der Farbstoff Rhodopsin, das Licht ein. Ein so angeregtes Farbstoffmolekül setzt eine Kaskade biochemischer Reaktionen in Gang. „Die Absorption von einem Photon wird in einen Spannungsimpuls von etwa einem Millivolt umgewandelt.“ In ein elektrisches Signal, das stark genug ist, um über Synapsen zum Gehirn weitergeleitet zu werden.

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