Kolumne : Aha: Warum überleben Mücken einen Wolkenbruch?

Thomas de Padova

Als erste Tiere erlernten die Insekten das Fliegen. 300 Millionen Jahre Flugerfahrung haben Akrobaten der Lüfte aus ihnen gemacht. Eine Stubenfliege landet beispielsweise mit Rückwärtssalto an der Decke. Wenn Sie den Flugkünstler mit einer Klatsche jagen, macht er sich mit 150 Flügelschlägen pro Sekunde davon.

Fliegen und Mücken nehmen bis zu 200 Bilder in jeder Sekunde wahr. „Es dauert nur 50 Millisekunden, ehe das Insekt auf eine drohende Fliegenklatsche mit Muskelkontraktionen antwortet“, sagt Fritz-Olaf Lehmann, Insektenflugexperte der Uni Ulm. Das sei fünf- bis zehnmal schneller als ein Autofahrer auf das Bremslicht des Vordermannes reagiere.

Viele hundert Einzelaugen gewähren der Mücke eine Rundumsicht. Bei Regen hilft ihr das kaum. Denn die Tropfen sind nur wenige Millimeter groß, ihnen kann die Mücke nicht ausweichen. „Insekten können zwar schnell sehen, aber ihr räumliches Auflösungsvermögen ist schlecht.“

Bei Nieselregen sind die feuchtigkeitsliebenden Tiere dennoch flug- und stechaktiv, denn leichter Regen dringt nicht in ihren Körper ein. Eine wachsbeschichtete Außenhaut schützt sie wie eine Regenjacke. Kleine Tropfen brechen ihnen auch nicht die Flügel, die wegen des darin enthaltenen Resilins äußerst elastisch sind. Bei starkem Regen suchen die Insekten aber einen Unterschlupf, weil sie von den Tropfen zu Boden geschlagen werden könnten. Einen Absturz in eine Pfütze überstehen Mücken ebenso wenig wie den Fall ins Bierglas. Wenn es draußen schüttet, warten Mücken also unter Blättern oder in Baumhöhlen.

Lange Regenperioden verkürzen aber ihre Lebenszeit. Ein Anfang Mai geschlüpftes Mückenweibchen kann bei guter Witterung bis in den August hinein leben. In einem nassen Sommer stirbt es deutlich früher.

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