Kommunikation unter Tieren : Delfine antworten auf ihren Namen

Jeder Großer Tümmler hat einen eigenen Signaturpfiff. Damit können sie sich auch gezielt untereinander rufen.

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Gewandt. Personen oder Objekte zu benennen und sich über sie auszutauschen, gilt als sehr menschlich. Aber Delfine können das vermutlich auch.
Gewandt. Personen oder Objekte zu benennen und sich über sie auszutauschen, gilt als sehr menschlich. Aber Delfine können das...Foto: Vincent Janik, Universität von St. Andrews

Delfine benutzen Signaturpfiffe nicht nur, um ihrer Umwelt zu signalisieren: „Hier komme ich!“ oder „Ich bin hier!“ Sie antworten auch, wenn ein anderes Tier ihren Pfiff nachahmt und es so bei seinem Namen ruft. Das berichten die Biologen Stephanie King und Vincent Janik von der Universität von St. Andrews im Fachjournal „PNAS“.

Objekten oder Personen einen Namen zu geben, diesen zu lernen und sich darüber auszutauschen, gilt als grundlegender Aspekt menschlicher Sprache. Zwar vermitteln viele Tiere ihren Artgenossen, wo Futter zu finden ist oder dass eine bestimmte Gefahr droht. Doch diese Art der Kommunikation ist meist angeboren. „Delfine gehören zu den seltenen Beispielen, die Bezeichnungen lernen“, sagt Janik. Ihn interessiert, wie weit die Tierkommunikation geht. Seit fast 20 Jahren beobachtet er deshalb gemeinsam mit Kollegen 150 bis 180 Große Tümmler, die vor der schottischen Küste leben.

Es dauert nur wenige Monate, dann hat ein junger Delfin einen Namen für sich gefunden, sagt Janik. Große Tümmler hören nach der Geburt genau auf ihre Umwelt. Schließlich entscheiden sie sich für eine bestimmte Pfeiftonfolge und wandeln sie so ab, dass dieser Signaturpfiff ausschließlich sie bezeichnet – ähnlich wie ein menschlicher Name. Sobald der Name feststeht, können sich Jungtier und Mutter gezielt rufen, auch wenn sie sich aus den Augen verloren haben. „Das ist wichtig, weil die Jungtiere drei Jahre lang von der Mutter abhängig sind“, sagt Janik. „Vermutlich haben sich die Signaturpfiffe in diesem Kontext entwickelt.“

Doch auch erwachsene Tiere benutzen sie. Treffen zum Beispiel zwei Gruppen aufeinander, pfeift mitunter jedes Tier als Begrüßung seinen Namen. So weiß jeder, wer da ist. Bei der Jagd können sich Gruppenmitglieder über die Pfiffe besser untereinander koordinieren.

Tiere, die sich sehr nahe stehen – wie Mutter und Kalb oder erwachsene Männchen, die jahrelang dauernde Allianzen bilden – kopieren die Signaturpfiffe ihrer Begleiter, um sie zum Beispiel über größere Distanzen zu rufen. King und Janik zeigten nun, dass diese Rufe auch beantwortet werden. Sie spielten den wilden Tümmlern vor ihrer Haustür Signaturpfiffe vor, die sie zuvor aufgenommen hatten. Fühlte sich ein Tier namentlich angesprochen, wiederholte es innerhalb einer Minute den Pfiff.

Möglicherweise tauschen sich Tümmler auch hinter dem Rücken übereinander aus. „Ganz unwahrscheinlich ist das nicht“, sagt Janik. „Wir haben bei Gruppen schon Signaturpfiffe aufgenommen, obwohl das betroffene Tier nicht da war.“ Die Frage ist: Rufen sie das jeweilige Tier oder tratschen sie?

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