KONFERENZ VON ASILOMAR : Selbstverpflichtung der Gentechniker

Ganz wohl war Paul Berg mit seinem Virusexperiment nicht. Der amerikanische Biochemiker war ein Pionier der Gen-Chirurgie, des Herausschneidens und Neuzusammenfügens von Erbsubstanz. Berg heftete 1974 das Erbgut eines im Tierversuch krebserregenden und eines Bakterien befallenden Virus zusammen. Der nächste Schritt wäre gewesen, das neu kombinierte Virus in ein Bakterium einzupflanzen. Aber Berg legte seine Pipette beiseite. Er entschloss sich wegen des ungeklärten Risikos zu einer freiwilligen Unterbrechung seiner Arbeit. Dem selbst auferlegten Moratorium folgte eine Konferenz mit 140 Experten im Februar 1975 im kalifornischen Asilomar. Hier wurden vorsorglich Grundregeln für den sicheren Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen festgelegt.

Zugleich wurde der Geheimniskrämerei abgeschworen und die Öffentlichkeit über Gefahren der neuen Technik informiert. Es entspann sich eine heftige Debatte über Sinn und Unsinn der Gentechnik. Trotzdem setzte sich die „rote“ (medizinische) Gentechnik weitgehend durch. Dagegen hat die „grüne“ Pflanzengentechnik bis heute ein Imageproblem, vor allem in Mitteleuropa. Für die Wissenschaft ist das in Asilomar angewandte Vorsorgeprinzip ein zweischneidiges Schwert. Es erlaubt willkürliche Verbote, die als Vorsichtsmaßnahme legitimiert werden können. wez

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