Wissen : Konkurrenz unter Urmenschen

Ob Frühmenschen einem Partner die Treue hielten oder ob sie es eher bunt trieben, lässt sich möglicherweise noch heute an ihren versteinerten Knochen ablesen. Entsprechende Untersuchungen machten englische und kanadische Forscherinnen.

Gemessen am niedrigen Längenverhältnis von Zeigefinger und Ringfinger könnte das Leben der Neandertaler vom Wettstreit um Geschlechtspartner geprägt gewesen sein. Bei dem gut drei Millionen Jahre älteren Australopithecus afarensis könnte dagegen die weniger anstrengende Monogamie die typische Form des Zusammenlebens gewesen sein, folgert Emma Nelson von der Uni Liverpool.

Nelson nutzte die Fingerlänge als Indikator für die Verhältnisse bei Neandertalern und vier älteren Verwandten des Menschen, berichtet sie im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society“.

Das Längenverhältnis von Zeige- und Ringfinger ist umso niedriger, je stärker der Fötus im Mutterleib männlichen Geschlechtshormonen ausgesetzt war. Relativ kurze Zeigefinger gehen mit einem hohen Androgenspiegel einher und nach Ansicht vieler Forscher auch mit einem insgesamt männlicheren, von Konkurrenzdenken geprägten Wesen.

Nelson ermittelte, dass das Längenverhältnis auch Rückschlüsse auf das Paarungssystem gestattet. Arten, bei denen Konkurrenz und Dominanz über einen Harem eine wichtige Rolle spielen, weisen demnach ein niedrigeres Längenverhältnis auf als solche, bei denen zwei Partner längere Zeit zusammenbleiben. JKM

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