Konservative : Unglückliche Alternative

Es ist noch nicht lange her, da sah es so aus, als würde sich die SPD hierzulande selbst zerstören. Dass dies für Linke typisch ist, legt eine Studie nahe, die in der Juniausgabe des Fachjournals "Psychological Science" erschien. Warum es Konservative im Leben leichter haben.

Verena Friederike Hasel

Menschen aus zehn Nationen hatte der Psychologe John Jost von der Universität New York nach politischer Gesinnung und Lebenszufriedenheit gefragt. Das Ergebnis: Die Konservativen waren tendenziell glücklicher als die Linken.

Dass die Krise nun zu ihnen gehören soll wie das Kreuz zu den Christlich-Konservativen, wird sie nicht fröhlicher stimmen, die armen Linken. Aufheitern könnten allenfalls Josts recht schmeichelhafte Erklärungsversuche: Danach ertragen es Linke nicht, andere leiden zu sehen. Während Konservative dazu tendieren, das Elend eines Menschen, zum Beispiel seine Arbeitslosigkeit, zu rationalisieren („Selbst schuld“), schlägt es Linken auf die Laune. So klagten sie in Ländern mit großer sozialer Ungleichheit verstärkt über eigene Unzufriedenheit, auch wenn sie selbst keine finanziellen Sorgen hatten. Und offenbar können sie nicht anders. Wie Jost herausfand, läuft ein Hirnprozess bei Linken und Rechten unterschiedlich ab.

Jedes Erlebnis hat eine Entsprechung im Hirn – das heißt, wenn man sich freut, sind andere Hirnareale aktiv als bei Wut. Im Anterior Cingulate Cortex (ACC) schlagen die Neuronen Alarm, wenn etwas ein bekanntes Muster durchbricht. Das hat den Sinn, den Menschen zum Handeln zu bewegen. Diese Reaktion testete Jost, indem er Versuchspersonen bei einer Routineaufgabe unterbrach und die ACC-Aktivität maß. Bei Linken feuerten die Neuronen los, im Hirn der Konservativen blieb es dagegen vergleichsweise ruhig. Daraus schließt er, dass Konservative Ambivalenz und Widersprüchlichkeit leichter ausblenden können. Das klingt ein bisschen nach dem Spruch mit den dümmsten Bauern und den dicksten Kartoffeln. Aber einen Trost brauchen die Linken ja, wenn ihr Hirn schon auf Krise programmiert ist. Verena Friederike Hasel

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