Korallenstädte : Viel Licht, warmes Wasser – und wenig Nährstoffe

Tropische Korallenriffe benötigen warmes Wasser und viel Licht. Das zeigt sich auf der Karte ihrer Verbreitung: Riffe befinden sich nahe das Äquators und dort, wo es warme Meeresströmungen gibt.

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Wo auf der Welt Korallenriffe vorkommen.
Wo auf der Welt Korallenriffe vorkommen.Quelle: NOAA/TSP

Überraschenderweise befinden sie sich in nährstoffarmen Gebieten. Gebe es zu viel Nährstoffe, würden massenhaft Algen wachsen und das Riff ersticken. Die meisten Riffe sind circa 8000 Jahre alt. So lange ist der Meeresspiegel einigermaßen konstant. Zuvor war er rapide gestiegen, nachdem große Eismassen geschmolzen waren. Die damals vorhandenen Riffe mussten ständig landeinwärts „springen“, um dem steigenden Wasser auszuweichen und weiterhin genug Sonnenlicht zu erhalten.

Große Riffkomplexe gibt es aber schon länger. Das Great Barrier Reef vor der australischen Ostküste – eigentlich sind es rund 3000 Einzelriffe – gibt es beispielsweise bereits seit 600 000 Jahren. „Erfunden“ hat die Natur diese Unterwasserstädte vor knapp 500 Millionen Jahren, damals waren sie aber noch nicht so spezialisiert. Mehrfach wurden Riffe durch gravierende Umweltveränderungen nahezu ausgelöscht, kehrten mitunter erst Jahrmillionen später auf die Bildfläche zurück und wurden dann teilweise von ganz anderen Artengemeinschaften aufgebaut als zuvor.

Die nächsten Riffe finden sich im Harz, der Fränkischen Alb oder in den Dolomiten. Sie wuchsen vor Jahrmillionen in tropischen Gewässern. Zumindest die harten Teile der Riffbildner sowie Schnecken und Muscheln kann man heute trockenen Fußes erkunden. Um lebendige Riffe zu sehen, muss man mindestens bis ans Rote Meer reisen und abtauchen.

Beim Erkunden ist Obacht geboten. Zu viele und vor allem unvorsichtige Besucher setzen dem Ökosystem ebenfalls zu. Auf den Philippinen hat man testweise die Besucherzahl per Reglement auf ein Zehntel reduziert und hohe Eintrittspreise verlangt, berichtet der Berliner Riffforscher Reinhold Leinfelder. Mit Erfolg: Die Einnahmen erhöhten sich beträchtlich, die Zahl der Fischarten verdreifachte sich binnen Jahresfrist.

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