Kosmos : Einsame Wanderer im All

Viele Planeten haben keinen Heimatstern. Ist das ein Indiz dafür, dass viele Planetensystem instabile Phasen durchlaufen?

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Die Milchstraße enthält eine große Zahl von Planeten, die nicht um einen Stern kreisen, sondern einsam ihre Bahn durchs All ziehen. Das zeigen Beobachtungen mit einem automatischen Teleskop in Neuseeland, die zwei internationale Forscherteams im Fachblatt „Nature“ präsentieren. Mit Gravitationslinsen haben die Astronomen zehn jupitergroße Planeten aufgespürt, in deren Nähe sich kein Stern befindet.

„Unsere Untersuchung ist eine Art Volkszählung“, erklärt David Bennett von der Universität von Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, ein an den Beobachtungen beteiligter Astronom. „Basierend auf unseren Daten können wir ermitteln, wie groß die Zahl derartiger Objekte insgesamt in der Milchstraße ist“, sagt Bennett. Die Wissenschaftler kommen auf 1,8 einsame Jupiter pro Stern – und es könnte sogar noch erheblich mehr kleinere Planeten geben, die ohne Zentralstern existieren. Demnach gibt es also mindestens doppelt so viele herrenlose Planeten wie Sterne,

Bennett und seine Kollegen haben zwei Jahre lang die Helligkeit von 50 Millionen Sternen im Zentralbereich der Milchstraße überwacht. Dabei machten sie sich eine Fahndungstechnik zunutze, die auf Albert Einsteins Relativitätstheorie zurückgeht. Zieht ein anderes Objekt – ein Stern oder ein Planet – vor einem der weit entfernten Sterne vorüber, so wirkt er mit seiner Schwerkraft wie eine Art Brennglas. Diese Gravitationslinse führt zu einer charakteristischen Änderung der Helligkeit des Hintergrundsterns, aus der die Forscher Informationen über die Masse der Linse ableiten können. Der Stern flackert kurz auf.

Insgesamt fanden die Forscher 474 Gravitationslinsen-Ereignisse, darunter zehn, die auf eine Masse der Linse deuten, die vergleichbar ist mit der Masse des Planeten Jupiter. Bei diesen Ereignissen gab es jedoch kein Anzeichen für einen Stern in der Umgebung des planetengroßen Himmelskörpers – auch der Stern hätte in der Helligkeitsänderung seine Signatur hinterlassen.

Bennett sieht in den Beobachtungen ein Indiz dafür, dass viele Planetensysteme instabile Phasen durchlaufen. „Enge Begegnungen mit anderen Himmelskörpern können Planeten aus ihrem Geburtsort herauskatapultieren.“ Das ist nach Ansicht des Wissenschaftlers das wahrscheinlichste Szenario, um die Existenz der einsamen Planeten zu erklären.

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