Krach um Lehrerbildung in Schleswig-Holstein : Die Uni Kiel fürchtet um ihre Zukunft

Schleswig-Holstein will die Lehrerbildung reformieren - und dabei den Standort Flensburg, die alte Uni der Ministerin, stärken. Die Uni Kiel fürchtet deswegen um ihre Zukunft.

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Die Pläne der schleswig-holsteinischen Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos), die Lehrerausbildung zu reformieren, lösen Unruhe an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel aus. Weniger die Umgestaltung des Studiums als die Standortfrage ist Stein des Anstoßes: Kiel befürchtet, in der Lehrerbildung langfristig von Flensburg abgehängt zu werden – was die Zukunft der Kieler gefährde.

Wende möchte in Schleswig-Holstein ab Wintersemester 2014/15 nur noch Lehrkräfte für Grundschulen und Sekundarlehrer für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen ausbilden. Am Mittwoch wird sie dazu einen Gesetzentwurf im Landtag vorlegen. Bislang wurden alle Gymnasiallehrer in Kiel ausgebildet. Gemeinsam mit den Unis Flensburg und Kiel hatte die Ministerin im vergangenen Herbst ein Eckpunktepapier für das Unterfangen verfasst. Demnach sollten an der Pädagogischen Hochschule in der Grenzstadt Lehramtsstudenten nicht mehr nur wie bisher für die Klassenstufen 5 bis 10, sondern auch in sieben geisteswissenschaftlichen Fächern für die Klassen 11 bis 13 ausgebildet werden. In der Vorwoche verkündete Wende nun auch noch, dass der Fächerkanon in Flensburg um die Naturwissenschaften ausgebaut werden soll. Laut Wende kommen dort sechs weitere Fächer hinzu.

An der CAU bestehen große Ängste um die eigene Zukunft, wenn in Flensburg in den Naturwissenschaften nun Doppelstrukturen aufgebaut werden. Die könnten künftig womöglich aus finanziellen Gründen zu einem Schrumpfungsprozess und Einsparungen in der Landeshauptstadt führen. Die Uni Kiel möchte daher jetzt die Zusammenarbeit mit Flensburg beenden. Flensburgs Uni-Rektor konterte, in Kiel werde kein einziges Fach eingeschränkt. Er weist auch den Vorwurf zurück, die Flensburger hätten am Gesetzentwurf mitgeschrieben.

In Kiel erinnert man sich auch daran, dass Wende vor ihrer Berufung ins Kabinett Uni-Präsidentin in Flensburg war. Wende sei also befangen, wenn es um eine Stärkung des Flensburger Uni-Standorts gehe. Wende verweist darauf, dass sie die Rückendeckung des Ministerpräsidenten besitze und sich auch eine Rückversicherung der Finanzministerin geholt habe.

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