Krankenhauskeime : Gefährlicher Frühstart ins Leben

02.11.2012 10:58 Uhrvon
Schwieriger Beginn. Für das Überleben von Frühgeborenen ist es entscheidend, wann sie zur Welt kommen. Jeder Tag im Mutterleib erhöht ihre Chancen. Foto: picture alliance / dpa
Schwieriger Beginn. Für das Überleben von Frühgeborenen ist es entscheidend, wann sie zur Welt kommen. Jeder Tag im Mutterleib erhöht ihre Chancen. - Foto: picture alliance / dpa

Selbst sehr ungenügend entwickelte Neugeborene können heute überleben. Dafür müssen sie künstlich ernährt und nicht selten auch beatmet werden. Damit steigt unvermeidlich das Risiko von Infektionen.

Der Wochenbericht des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales vom 26. Oktober verzeichnet für 2012 bislang 27 Ausbrüche in Krankenhäusern und Heimen durch meldepflichtige Erreger oder Krankheiten. 26 der 27 Ausbrüche haben kein öffentliches Aufsehen erregt. Mit Nr. 27 verhält es sich dagegen ganz anders. Anlass ist die Infektion von sieben Kindern und die Keimbesiedelung bei 14 weiteren Kindern auf zwei Neu- und Frühgeborenenstationen im Virchow-Klinikum der Charité mit dem Erreger Serratia marcescens.

Der Keim ist meist gut mit Antibiotika zu behandeln und der Ausbruch unter Kontrolle zu halten.

In diesem Fall aber wurden schwere Vorwürfe gegen die Charite laut: „Skandal“ und „Schlamperei“ lauten sie, außerdem ist die Rede von einem Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz und von mangelhafter Kommunikation. Eine Mordkommission ermittelt wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung, weil ein nach einer Operation Anfang Oktober im Deutschen Herzzentrum Berlin verstorbenes Neugeborenes mit dem Serratia-Keim infiziert war. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité, verteidigt dagegen seine Mitarbeiter. „Das muss man als Krankenschwester erstmal verarbeiten, wenn man konzentriert arbeitet, um Menschenleben zu retten, und dann kriminalisiert wird“, sagt Frei.

Auf den betroffenen Intensivstationen des Virchow-Klinikums sind Todesfälle etwas, mit dem Mitarbeiter immer wieder konfrontiert sind. Hier werden schwerkranke und ungenügend entwickelte (unreife) Kinder behandelt. Beatmet, künstlich ernährt, mit Infusionen und Medikamenten versorgt. Ohne die moderne Intensivmedizin hätten viele keine Chance. Als Grenze zur Lebensfähigkeit wird eine Schwangerschaftsdauer von 22 bis 23 Wochen angesehen – normal wären 40. Kinder in der 23. Woche wiegen manchmal nur 500 Gramm, mitunter noch weniger.

Umfrage

Sollte es eine allgemeine Verjährungsfrist für Plagiatsvergehen in akademischen Arbeiten geben?

Weitere Themen

Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
Diskutieren Sie mit!
Foto:

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit