Krankheiten : Hantavirus: Deutlich weniger Infektionen

Im Jahr 2008 wurden bislang nur 150 Fälle bekannt. 2007 hingegen waren es 1700. Hantaviren rufen Fieber hervor und können je nach Typ Lungen oder Nieren befallen oder Blutungen auslösen.

Hartmut Wewetzer

„Einen neuen Höchststand“ bei Hantavirus-Infektionen meldete das Robert-Koch-Institut vor einem Vierteljahr. 2007, so das Berliner Institut, hatte es 1700 bekannt gewordene Erkrankungen durch das Virus gegeben. Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 war das Rekord. Aber für das Jahr 2008 kann nun offenbar Entwarnung gegeben werden. Nach der aktuellen Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten wurden bis Mitte August 2008 lediglich 150 Fälle registriert. Zum Vergleich: 2007 waren es im Vergleichszeitraum bereits 1200 Erkrankungen, acht Mal so viel.

Hantaviren werden nicht von Mensch zu Mensch, sondern von der Maus auf den Menschen übertragen. Je mehr Mäuse, desto mehr Infektionen. Da die Zahl der Mäuse von Jahr zu Jahr schwankt, erklärt das die unterschiedliche Infektionshäufigkeit. Denn 2007 war ein „gutes Mäusejahr“, ein außergewöhnlich milder Winter und ein gutes Futterangebot hatte die Zahl der Tiere ansteigen lassen. Alle drei bis vier Jahre vermehren sich die Mäuse stark.

Weit verbreitet ist das Hantavirus auf der Schwäbischen Alb, im Bayerischen Wald, im Spessart und im Münsterland. Zwei von drei Infektionen traten 2007 in Baden-Württemberg auf. Übertragen wird der Erreger überwiegend durch die Rötelmaus (auch Waldwühlmaus genannt). Das Virus haust in dem Nager, ohne das dieser selbst Schaden nimmt.

Die Rötelmaus scheidet das Virus massenhaft mit Speichel, Kot und Urin aus, der Mensch atmet den Erreger mit aufgewirbelten Staubteilchen ein. 2007 waren Dreiviertel der Erkrankten Männer im berufstätigen Alter, und das nicht ohne Grund: Gefährdet sind vor allem Land- und Forstarbeiter, da sie sich im Lebensraum der Rötelmaus aufhalten.

Hantaviren rufen Fieber hervor und können je nach Typ Lungen oder Nieren befallen oder Blutungen auslösen. Todesfälle durch Hantaviren wurden bislang in Deutschland nicht gemeldet. Das Puumalavirus, der hierzulande dominante Hantavirus-Typ, ist weniger aggressiv als Varianten, die in Amerika und Asien vorkommen. Meist bleibt die Infektion unerkannt oder wird als „Sommergrippe“ gedeutet. Deshalb gehen Fachleute von einer Dunkelziffer von bis zu 95 Prozent aus.

Typische Krankheitszeichen sind Fieber, punktförmige Einblutungen in die Haut und Störungen der Nierenfunktion – die Betroffenen können mitunter nicht richtig Wasser lassen.

Nierenprobleme führen in Deutschland auch am ehesten auf die Spur des Hantavirus. In zwei von drei Fällen traten 2007 Störungen der Nierenfunktion auf. Sie heilen meist aus, ohne Folgen zu hinterlassen. Unter Umständen ist aber eine Blutwäsche (Dialyse) erforderlich. 2007 wurden auch vier schwere Krankheitsverläufe in Süddeutschland beobachtet, bei denen es zu inneren Blutungen, aber nicht zu Todesfällen kam.

Anders in den USA, wo vor allem der zu 50 Prozent tödliche Lungenbefall durch das dort heimische Sin-Nombre-Virus gefürchtet ist. Seit 1993 sind in den USA 160 Menschen Opfer von Hantavirus-Infektionen geworden.

Wie bei den meisten Viruskrankheiten gibt es keine ursächliche Behandlung, es können nur die Krankheitszeichen bekämpft werden. Ein Impfstoff für Risikogruppen wie Waldarbeiter oder für Regionen wie die Schwäbische Alb wäre sinnvoll – aber die Firmen scheuen die hohen Entwicklungskosten, sagt der Hantavirus-Experte Detlev Krüger von der Berliner Charité. Hartmut Wewetzer

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