KREATIVITÄTSFORSCHUNG : Was geniale Persönlichkeiten auszeichnet

In den letzten Jahrzehnten haben Psychologen vieles über kreative Persönlichkeiten herausgefunden. Hier einige der empirischen Erkenntnisse:

Obwohl es das Vorurteil gibt, gerade harmonische Familienverhältnisse würden die Kreativität des Kindes fördern, deuten die Biografien kreativer Genies eher auf das Umgekehrte hin: Eine Analyse offenbarte, dass mehr als ein Viertel von ihnen bereits vor dem Alter von zehn Jahren einen Elternteil verloren hatte.

Am Klischee vom hypersensiblen Genie ist einerseits etwas Wahres: Kreative Menschen kommen beispielsweise bei Schreckreizen wie bei plötzlichen lauten Geräuschen buchstäblich stärker ins Schwitzen. Sie gewöhnen sich weniger an solche Reize und können störende Nebengeräusche weniger gut „wegfiltern“ – ähnlich wie schizophrene Patienten. Anders als schizophrene Patienten, die von der Reizüberflutung überwältigt werden, schaffen es die Kreativen irgendwie, den Informationsansturm zu bewältigen, ja sogar zu nutzen. Es gibt auch Belege dafür, dass Verwandte von schizophrenen Menschen häufig überdurchschnittlich begabt sind, besonders in Mathematik.

Andererseits ist auffallend, dass gerade kreative Persönlichkeiten – im Schnitt – eher sozial zurückgezogen sind und deshalb auf ihre Mitmenschen arrogant, ja geradezu kalt wirken. Der US-Kreativitätsforscher Gregory Feist fasst die typischen Persönlichkeitseigenschaften hochgradig kreativer Menschen wie folgt zusammen: „Sie sind offen für neue Erfahrungen, weniger konventionell als andere, weniger gewissenhaft, selbstbewusster, getrieben, ambitioniert, dominant, feindselig und impulsiv.“

Je nach Tätigkeitsfeld fallen die typischen Persönlichkeitseigenschaften jedoch anders aus: Künstler beispielsweise sind eher emotional instabil, weniger sozial und gruppenkonform. Wissenschaftler sind gewissenhafter.

Eine hohe Intelligenz ist nicht unbedingt gleich hohe Kreativität. Als Faustregel gilt: Ab einem IQ von 120 spielt die Intelligenz offenbar kaum noch eine Rolle (mit anderen Worten: Jeder IQ-Punkt über 120 bringt statistisch keine Extra-Kreativität).

Hochbegabung in der Kindheit sagt nur selten kreative Höchstleistung im Erwachsenenalter voraus. bas

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