Krebs : Bluttest kann die Ausbreitung von Krebs überwachen

Neuer Test könnte es Ärzten ermöglichen, Behandlungsergebnisse ohne invasive Chirurgie zu verfolgen.

Heidi Ledford

Ein neues Verfahren, mit dem sich geringe Anzahlen im Blut zirkulierender Tumorzellen von Lungenkrebspatienten aufspüren lassen, könnte das Monitoring dieser Erkrankung eines Tages so einfach machen wie die Entnahme einer Blutprobe.

Indem sie es Ärzten ermöglicht, ohne invasiven Eingriff an Tumorzellen zu gelangen, könnte die Methode die Medizin ihrem langgehegten Ziel maßgeschneiderter Therapien aufgrund des Erbguts eines Pateinten einen Schritt näher bringen. "Wenn sie die kommerzielle Nutzung möglich machen können, könnte es ein Durchbruch sein", sagt Joan Schiller, Onkologin am University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas, die nicht an der Studie beteiligt war.

Tumorzellen können bereits in frühen Stadien der Krebsentstehung in die Blutbahn übergehen. Obwohl diese Zellen nicht notwendigerweise Metastasen bilden, haben Wissenschaftler beobachtet, dass ein Anstieg der zirkulierenden Tumorzellen mit einer schlechteren Prognose bei einigen Krebsarten korreliert.

Bereits 2004 hatte die US Food and Drug Administration einen Test zugelassen, der es Ärzten erlaubt, die zirkulierenden Tumorzellen zu zählen als eine Möglichkeit des Monitorings, ob Patienten mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs auf die Therapie ansprechen (1). Mit dem Test lässt sich jedoch keine ausreichende Anzahl Tumorzellen gewinnen, oder zumindest nicht in der notwendigen Reinheit, um an den Proben genetische Tests vorzunehmen.

Die neue, verbesserte Version dieses Tests ermöglicht es nun, genetische Tests an den Tumorzellen vorzunehmen - was es Ärzten potenziell ermöglicht die bestmöglichen Medikamente auszuwählen, um aus diesen Zellen entstehende Tumoren zu stoppen.

Nadel im Heuhaufen

Ende letzten Jahres berichteten Daniel Haber vom Massachusetts General Hospital Cancer Center in Boston und seine Kollegen von einem neuen Weg, zirkulierende Tumorzellen zu isolieren (2). Die Wissenschaftler entwickelten ein Verfahren, bei dem Blutproben durch dünne Kanäle gedrückt werden. In diesen Kanälen befinden sich mikroskopische Trennsäulen, die mit Antikörpern eines Proteins ausgekleidet sind, das von Epithelzellen exprimiert wird. Epitheliale Tumorzellen, wie zum Beispiel von Lungen- oder Brusttumoren, bleiben in den Trennsäulen hängen, wodurch sie vom Blut getrennt werden können.

Haber und seine Kollegen nutzten nun diese Tumorzellen für Gentests an Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom. Einige nichtkleinzellige Lungentumoren tragen eine Mutation in einem Protein mit der Bezeichnung Epidermal Growth Factor Receptor. Die Mutation macht das Protein anfällig für Medikamente, die den Rezeptor inhibieren und das Tumorwachstum stoppen können.

Die Medikamente wirken gut bei Patienten, die dieses Protein haben, die Wirkung hält jedoch häufig weniger als ein Jahr an. "Bei einigen Patienten ist der Krebs seit fünf Jahren nicht wiedergekommen", sagt Huber. "Bei anderen tritt er nach sechs Monaten wieder auf."

In ungefähr der Hälfte aller Fälle, in denen die Patienten Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln, macht eine zusätzliche Mutation des Rezeptors den Tumor schließlich resistent gegen die Medikation. Derzeit erproben Wissenschaftler andere Medikamente auf ihre Wirksamkeit bei diesen Patienten.

Die Patienten, die diese Mutation tragen, zu identifizieren, war jedoch bislang schwierig. Biopsiegewebe aus Lungentumoren zu gewinnen ist schwierig, sagt Schiller, und selbst eine Technik, bei der eine feine Nadel in den Tumor eingeführt wird, um einige wenige Zellen zu gewinnen, geht mit Risiken einher. "Es ist nicht einfach ein Nadelstich, es ist ein invasiver Eingriff - und es ist schmerzvoll", sagt sie. Ärzte haben oftmals nur das Gewebe der ursprünglichen Biopsie zur Verfügung und keine Möglichkeit, die Entwicklung des Tumors als Reaktion auf die Therapie zu verfolgen.

Optimierung

Haber und seine Kollegen nutzten ihr Verfahren, um zirkulierende Tumorzellen von 27 Lungenkrebspatienten zu isolieren. Es gelang ihnen, im Durchschnitt etwa 100 Zellen pro Milliliter Blut zu gewinnen.

Bei 12 Patienten war gleichfalls Biopsiegewebe verfügbar. Beim Vergleich des Erbguts der zirkulierenden Tumorzellen mit dem Biopsiegewebe entsprachen die Tumorzellen in 92% dem Biopsiegewebe. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht (3).

Das Verfahren ist noch nicht für den klinischen Gebrauch geeignet, sagt Haber. Derzeit ist das Verfahren noch langsam und aufwändig, und Habers Mitarbeiter arbeiten an einer Optimierung. "Es ist wirklich nur eine Frage der Zeit, bis es auf breiterer Basis verfügbar sein kann", meint er.

(1) Cristofanilli, M. et al. N. Engl. J. Med. 351, 824-826 (2004).
(2) Nagrath, S. et al. Nature 450, 1235-1239 (2007).
(3) Maheswaran, S. et al. N. Engl. J. Med. Advance online publication doi:10.1056/NEJMoa0800668 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 2.7.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.930. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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