Krebsforschung : Donnerfürst zerstört Tumorzellen

Tumoren in der Bauchspeicheldrüse sind sehr aggressiv, werden oft erst spät gefunden und sind extrem schwer behandelbar. Ein chinesisches Kraut nun könnte helfen, eine bessere Chemotherapie zu finden. Bei Mäusen funktioniert es bereits.

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Widerspenstig. Krebszellen entkommen oft auch der Chemo.
Widerspenstig. Krebszellen entkommen oft auch der Chemo.Foto: Nati Harnik/AP/dapd

Krebsforscher sind Kummer gewöhnt. Selbst wenn eine Substanz in der Petrischale Tumorzellen reihenweise tötet und Mäuse durch einen neuen Wirkstoff geheilt werden können, folgt bei den Tests am Patienten allzu oft das Aus: Entweder funktioniert der Tumor beim Menschen etwas anders oder der Stoff ist wider Erwarten zu giftig für ohnehin Schwerkranke. Die Hoffnung auf Heilung zerplatzt wie eine Seifenblase. „Eine Maus ist eben kein Mensch“, lautet dann der Kommentar der Forscher.

Umso vorsichtiger sind Rohit Chugh und seine Kollegen von der Universität von Minnesota, die nun einen Abkömmling des Donnerfürsts gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs ins Feld schicken. Wie sie im Fachjournal „Science Translational Medicine“ schreiben, könnte die giftige Donnerfürst-Ranke aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – auch bekannt als „Wilfords Dreiflügelfrucht“ – helfen, eine bessere Behandlung gegen die gefürchtete Krebsart zu finden.

Tumoren in der Bauchspeicheldrüse sind sehr aggressiv und werden oft erst spät gefunden. Für eine OP ist es dann meist zu spät, weil es längst Metastasen gibt. Eine Chemotherapie mit Gemcitabin verlängert das Leben der Patienten im Durchschnitt nur um etwa sechs Monate. Dementsprechend überleben gerade fünf Prozent dieser Krebskranken die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

Dass die Donnerfürst-Ranke einige Krebsarten und Entzündungen erfolgreich in Schach halten kann, ist lange bekannt. Doch zum einen ist der natürliche Stoff Triptolid extrem schädlich für Darm, Leber und Nerven. Zum anderen ist er nicht wasserlöslich und somit für die Pharmazie schwer zu handhaben.

„Beide Nachteile umgehen die Forscher mit einem Kniff“, kommentiert Thomas Efferth, Experte für TCM-Pflanzeninhaltsstoffe gegen Krebs von der Universität Mainz. Sie haben die Natursubstanz chemisch verändert, so dass sie zunächst ungiftig und unwirksam ist. Aus Triptolid wurde Minnelide. Erst wenn der Stoff im Körper auf Krebsgewebe trifft, wo ein bestimmtes Eiweiß vermehrt gebildet wird, wandelt es sich in die giftige Form um und zerstört Krebszellen.

Wie Chugh und seine Kollegen berichten, funktionierte das nicht nur mit Zelllinien in der Petrischale, sondern auch in drei verschiedenen Mausexperimenten bislang sehr gut. Zum einen spritzten die Forscher Mäusen unterschiedlich aggressive, menschliche Bauchspeicheldrüsenkrebszellen, zum zweiten verpflanzten sie Teile eines menschlichen Tumors in die Mäuse und gaben dann einigen von ihnen Minnelide. Und zum dritten behandelten sie eine Gruppe genetisch veränderter Mäuse mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Minnelide stoppte in den Versuchen nicht nur das Tumorwachstum, sondern ließ die Tumoren auch schrumpfen oder sogar verschwinden, so dass die Mäuse viel länger überlebten. Auch im Vergleich mit Gemcitabin schnitt Minnelide besser ab. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr vielversprechend“, sagt Efferth. Den Rest müssen klinische Studien zeigen. Die ersten Tests am Menschen beginnen im Dezember.

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