Krebsforschung : Genetischen Assoziation bei Lungenkrebs identifiziert

Studien legen nahe, dass das Krebsrisiko nicht allein vom Lebensstil abhängt.

Michael Hopkin

Drei unabhängige Genstudien haben die bislang stärkste Evidenz dafür erbracht, dass unsere Gene das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, beeinflussen.

Lungenkrebs, der weltweit für die meisten Todesfälle aller Krebsarten verantwortlich ist, wird in erster Linie durch Rauchen verursacht. Tabak wird für etwa 5 Millionen vorzeitige Todesfälle jährlich verantwortlich gemacht und Rauchen ist eindeutig der größte Risikofaktor. Die neuen Ergebnisse legen jedoch nahe, dass einige Raucher aufgrund ihrer Gene ein bis zu 80 % höheres Risiko tragen.

Personen, die nie geraucht haben, haben möglicherweise ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko, Lungenkrebs oder ähnliche Probleme zu entwickeln, auch wenn sich die drei Studien in diesem Punkt uneins sind. Es ist nicht klar, ob der genetische Effekt unabhängig vom Rauchen auftritt oder ob die Gene das Krebsrisiko durch Exazerbation der Nikotinabhängigkeit erhöhen.

Krebs-Region

Durch das Scannen des gesamten Genoms von Lungenkrebspatienten und Kontrollpersonen identifizierten alle drei Forschungsteams eine Region auf Chromosom 15, die die Wahrscheinlichkeit, Krebs zu entwickeln, zu beeinflussen scheint. Menschen mit einem bestimmten Mutationsschema an diesem Genort haben eine höhere Wahrscheinlichkeit als andere, die Krankheit zu bekommen.

Mitglieder der drei Forschungsgruppen nehmen an, dass etwa 50 % der Allgemeinbevölkerung ein Allel dieses Krebsgens trägt. Daten aller drei Studien - von denen einige keine Nichtraucher einschlossen - zeigen, dass das tragen dieses einen Allels das Risiko für Lungenkrebs um etwa 30 % erhöht.

Darüber hinaus wird angenommen, dass weitere 10 % der Bevölkerung beide Allele tragen, wodurch sich das Risiko um 80 % verglichen mit Personen mit einem ähnlichen Lebensstil, jedoch ohne diese Krebs-assoziierte Genvariante erhöht.

Rauchen ist immer noch der größte Risikofaktor für Lungenkrebs, sagt Kari Stefansson von deCODE Genetics in Reykjavik, Island, der eine der Studien mit nahezu 11.000 isländischen Rauchern leitete (1). "Das Rauchen selbst ist einfach der größte Risikofaktor."

Rauchen tötet

Ein typischer Raucher, der das Rauchen nicht aufgeben will oder kann, hat ein 15-prozentiges Lebenszeitrisiko, Lungenkrebs zu entwickeln. Träger beider Allele haben jedoch ein Risiko von 23 %. Im Gegensatz dazu liegt die Wahrscheinlichkeit, Lungenkrebs zu bekommen, bei jemandem, der in seinem ganzen Leben weniger als 100 Zigaretten geraucht hat, bei unter 1 %.

Uneinig sind sich die Wissenschaftler darüber, ob ein Nichtraucher, der die Genmutation trägt, ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs hat. Die Methode, die alle drei Gruppen verwendeten, macht Aussagen darüber schwierig, da sie zwar genetische Veränderungen aufspürt, jedoch keine Informationen über die Mechanismen, die zur Krankheitsentstehung führen, liefert.

Paul Brennan von der International Agency for Research on Cancer in Lyon, Frankreich, der eine der Studien leitete, die annähernd 2.000 europäische Krebspatienten einschloss (2), sagt, dass sein Team keine Evidenz dafür gefunden hat, dass der genetische Effekt von der Nikotinaufnahme anhängt, so dass das Krebsrisiko möglicherweise unabhängig vom Rauchen erhöht ist.

Brennan und seine Kollegen entdeckten, dass die Gene keine Effekte auf andere mit dem Rauchen assoziierte Krebsarten wie Mundkrebs haben. "Jede Assoziation mit Nikotin wird mäßig sein", behauptet er, fügt jedoch hinzu, dass "auf diesem Gebiet noch viel Arbeit nötig ist".

Risiko für Nichtraucher

Eine dritte Studie (3) unter der Leitung von Christopher Amos vom University of Texas M.D. Anderson Cancer Center in Houston, die annähernd 6.000 Krebsfälle einschloss, zeigt, dass Genvarianten das Krebsrisiko unabhängig vom Nikotinkonsumverhalten erhöhen.

Stefansson hingegen glaubt, dass die Gene die Krebsentstehung fördern, indem sie Menschen anfälliger für Nikotinabhängigkeit machen. Diese Ansicht wird durch die Tatsache gestützt, dass die Gene für Nikotinrezeptoren im Gehirn in derselben Region auf Chromosom 15 liegen wie die Mutationen.

Teilnehmer in Stefansson Studie waren stärker abhängig vom Rauchen, wenn sie mehr Allele dieser Genvariante besaßen.

"Es ist wichtig daran zu erinnern, dass das Beste, was ein Raucher tun kann, um Lungenkrebs und andere lebensverkürzende Erkrankungen zu vermieden, ist aufzuhören", sagt Leslie Walker, Leiterin Krebsinformation bei British Charity Cancer Resaerch. Ein Raucher, der im mittleren Alter aufhört, kann davon ausgehen, dass sein Lebenszeitrisiko für eine Lungenkrebserkrankung auf unter 10% sinkt.

(1) Thorgeirsson, T. E. et al. Nature 452, 638-641 (2008).
(2) Hung, R. J. et al. Nature 452, 633-637 (2008).
(3) Amos, C. I. et al. Nature Genet. doi:10.1038/ng.109 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 2.4.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.733. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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