Krieg der Sterne : Schwarzes Loch greift Galaxie an

Den Zusammenprall benachbarter Galaxien konnten Astronomen schon häufiger beobachten. Doch das Schauspiel, das sich Wissenschaftlern derzeit im Sternensystem 3C321 bietet, ist bisher einmalig.

nasa_3C321_18_12 Foto: Nasa
Einmaliges Schauspiel: In einem 1,4 Milliarden Lichtjahre entfernten Sternensystem beschießt die ''Todesstern-Galaxie'' (l.) ihre...Foto: Nasa

Das 1,4 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernte Galaxiensystem 3C321 besteht aus zwei Galaxien, die einander umkreisen. Aufnahmen des NASA-Röntgenteleskops Chandra haben gezeigt, dass beide Galaxien in ihrem Zentrum ein supermassereiches Schwarzes Loch beherbergen. Die größere der beiden Galaxien verfügt zudem über einen gewaltigen kosmischen Jet, der seinen Ursprung in unmittelbarer Nähe des Schwarzen Lochs hat.

Galaxie unter Beschuss

Jets sind gebündelte Teilchenstrahlen, die mit hoher Geschwindigkeit ins All schießen. Die Nasa-Aufnahmen zeigen, dass die kleinere der beiden Galaxien nun offenbar auf ihrem Orbit in diesen Jet geraten ist und unter massivem Beschuss steht. Die Astronomen, die den drastischen Fall galaktischer Brutalität mit Hilfe verschiedener Teleskope aufdeckten, haben dem Aggressor auch schon einen Namen gegeben: die "Todesstern-Galaxie".

"Wir haben schon viele Jets gesehen, die von Schwarzen Löchern erzeugt werden. Doch dies ist das erste Mal, dass wir beobachten können, wie ein solcher Jet eine andere Galaxie trifft", verdeutlicht der Leiter der Studie Dan Evans vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics die Bedeutung der Beobachtung. "Dieser Jet könnte jede Menge Probleme für die kleinere Galaxie verursachen."

Kosmisches Drama

Jets von massereichen Schwarzen Löchern transportieren riesige Energiemengen über weite Distanzen. So kann ein Schwarzes Loch auch noch in großer Entfernung Einfluss auf die Entwicklung einer Galaxie nehmen. "Wir sehen diese Jets überall im Universum", erklärt Martin Hardcastle von der englischen University of Hertfordshire, "aber wir haben immer noch Mühe, einige zentrale Funktionsweisen zu verstehen. 3C321 gibt uns die Möglichkeit zu untersuchen, was passiert, wenn so ein Jet in irgendetwas hineinrauscht - wie hier in eine Galaxie - und wie dies den Jet danach beeinflusst."

Für die kleinere Galaxie dürfte der Angriff des kosmischen Jets weit weniger interessant, als vielmehr von dramatischen Folgen begleitet sein. Die beiden Galaxien im System 3C321 liegen dicht beisammen. Gerade einmal 20.000 Lichtjahre Entfernung trennen sie voneinander. Dies entspricht in etwa dem Abstand, den die Erde zum Zentrum der Milchstraße hat. In kosmischen Größenordnungen ist das nicht mehr als ein Katzensprung.

Zerstörung der Atmosphäre

Die gebündelten Teilchenstrahlen des Jets produzieren große Mengen an hochenergetischer Strahlung, wie etwa Röntgen- und Gammastrahlung. Diese werden vom Jet beinahe mit Lichtgeschwindigkeit ins All geschleudert. Planeten, die in die Schussbahn des Jets geraten, haben daher ein großes Problem. Verfügten diese Planeten über eine erdähnliche Atmosphären mit einer schützenden Ozonschicht, würde sie wohl zerstört werden.

Hoffnung für die Zukunft gibt es im Sternensystem 3C321 dennoch: Durch den Jet gelangen enorme Mengen an Energie in die kleinere Galaxie. Die könnte in der Zukunft einmal für die Entstehung neuer Sterne und Planeten sorgen, und so den kosmischen Kreislauf von Zerstörung und Neubeginn fortsetzen.

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