Künstliche Befruchtung : Trotz Stress nicht schwerer schwanger

Psychische Belastungen beeinträchtigen den Erfolg einer künstlichen Befruchtung offenbar nicht.

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Geschützt. Viele Frauen machen sich zu Unrecht nach einer künstlichen Befruchtung Sorgen, dass persönliche Probleme die Schwangerschaft gefährden. Das Foto zeigt die Befruchtung einer Eizelle (Mitte) mit einer Samenzelle über eine feine Hohlnadel (rechts). Foto: p-a/dpa
Geschützt. Viele Frauen machen sich zu Unrecht nach einer künstlichen Befruchtung Sorgen, dass persönliche Probleme die...Foto: picture-alliance/ dpa

Sich ein Kind zu wünschen und trotzdem lange nicht schwanger zu werden kann eine große seelische Belastung sein. Zehn bis 15 Prozent der Paare sind davon betroffen, über die Hälfte von ihnen sucht medizinische Hilfe. Auch wenn sie mit großen Hoffnungen verbunden sind: Die Prozeduren, die zur künstlichen Befruchtung im Labor („In-vitro-Fertilisation“, IVF) gehören, sind körperlich wie seelisch anstrengend. Zur ohnehin belasteten Grundstimmung der unfreiwillig Kinderlosen kommt also oft noch der Stress der Behandlung. Viele Frauen, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, fürchten zu allem Überfluss, dass die psychische Anspannung deren Erfolgschancen senken könnte. Nun kommt jedoch von der britischen Universität Cardiff die gute Nachricht, dass seelischer Stress den Erfolg fortpflanzungsmedizinischer Behandlungen nicht beeinträchtigt.

Psychologen der dortigen Fertility Studies Research Group werteten für ihre Studie, die kürzlich im „British Medical Journal“ erschienen ist, Daten aus Untersuchungen an insgesamt 3583 Frauen zwischen 29 und 37 Jahren aus zehn Ländern aus, die sich zwischen 1985 und 2010 einer künstlichen Befruchtung unterzogen hatten. Bei allen Teilnehmerinnen war vor Beginn der Behandlung anhand von standardisierten psychologischen Tests erhoben worden, ob und wie stark sie unter Ängsten und depressiver Verstimmung litten. Dann wurde geschaut, welche Frauen im nächsten Behandlungszyklus schwanger wurden.

In der Auswertung zeigte sich, dass die psychischen Symptome keinen erkennbaren Einfluss auf den Erfolg der Behandlung nahmen: Frauen, die zu Beginn über Anspannung und Nervosität klagten und sich große Sorgen machten, wurden genauso häufig schwanger wie psychisch weniger angespannte Altersgenossinnen. „Diese Ergebnisse sollten Frauen die Zuversicht geben, dass emotionaler Stress – sei er nun Folge der Fruchtbarkeitsprobleme oder anderer Lebensereignisse – ihre Chance, schwanger zu werden, nicht vermindert“, schreiben die Autoren. Sie plädieren dafür, dass Frauenärzte ihre Patientinnen in dieser Hinsicht beruhigen. Dafür sprechen ihrer Ansicht nach auch biologische Überlegungen: Die hormonellen Regelkreise, die die Schwangerschaft sichern, bilden ein präzises und stabiles System, das auch die Antwort auf Stress beinhaltet und sich selbst in Notzeiten bewährt, so argumentieren die Fortpflanzungsmediziner.

Dass Stress den Erfolg einer IVF nicht negativ beeinflusst, hatten zuvor nur kleinere Studien gezeigt. In Fachkreisen bekannt wurde vor allem eine 2005 im Fachblatt „Human Reproduction“ veröffentlichte Studie aus der Uniklinik im schwedischen Göteborg, in die allerdings nur Daten von 139 Frauen eingeflossen waren. Wie gut ihre Chancen für eine Schwangerschaft standen, darüber hatte in erster Linie die Qualität der befruchteten Eizellen entschieden. Die psychologischen Tests spielten dagegen keine Rolle.

In diese und zwei weitere der 14 Studien, die nun die Grundlage für die neue Analyse bilden, waren jedoch nur Frauen aufgenommen worden, die vor ihrem ersten IVF-Behandlungszyklus standen. Es blieb deshalb unklar, ob zermürbendes Warten und wiederholte Misserfolge auf die Dauer so niederdrückend wirken, dass der Erfolg späterer Zyklen dadurch doch gefährdet wird. „Der ganz normale Stress im Beruf ist aus meiner Sicht anders zu bewerten als Ängste, die aus der ständigen Beschäftigung mit der Frage entstehen, ob es mit der Schwangerschaft klappen wird“, gibt der Berliner Reproduktionsmediziner Matthias Bloechle zu bedenken.

Auch die Autoren der neuen Studie wollen nicht ganz ausschließen, dass solche Befürchtungen die Aussichten eines neuen Anlaufs nach wiederholten enttäuschenden Versuchen beeinträchtigen können. Mal abgesehen davon, dass psychische Probleme manchmal zum frühzeitigen Abbruch der Behandlung führen.

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