Kürzen in Großbritannien : Englische Unis streichen viele Fächer

Studienanfänger in Großbritannien zahlen ab Herbst mehr Gebühren, haben aber weniger Auswahl als in früheren Zeiten. Vor allem kleine Disziplinen sind betroffen.

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Campen gegen Gebühren. Studenten protestieren mit einem Sleep-in an der St. Andrews University in Schottland.
Campen gegen Gebühren. Studenten protestieren mit einem Sleep-in an der St. Andrews University in Schottland.Foto: Reuters

In nur sechs Jahren strichen britische Universitäten rund 20.000 grundständige Studiengänge. Das ist mehr als ein Viertel des Fächerangebots für das Erststudium, lautet das Ergebnis einer Studie der Hochschulgewerkschaft UCU. Sie befürchtet einen weiteren Kahlschlag, weil sich die Unis in Zukunft noch stärker als bisher an der Nachfrage ausrichten müssten. Dadurch könnten Studiengänge verschwinden, die „keinen Profit“ versprächen.

Seit 2006 sank die Zahl grundständiger Studiengänge von 70.052 auf 51.116, also um 27 Prozent. Oft wurden dabei Fächer zusammengelegt, die Zahl eigenständiger Studienfächer liegt um 14 Prozent niedriger als vor sechs Jahren. In manchen Regionen Großbritanniens lassen sich daher Disziplinen wie Germanistik oder Romanistik nur noch studieren, wenn sie mit anderen kombiniert werden. Betroffen sind neben den Geisteswissenschaften aber auch die Technik- und Naturwissenschaften, bei denen sogar etwas mehr Fächer ihre Eigenständigkeit verloren.

Die Zahlen dürften die Debatte um Studiengebühren weiter befeuern. Die britische Regierung erhöht die Gebühren ab Herbst auf bis zu 9000 Pfund pro Jahr, umgerechnet 10.700 Euro. Die Hochschulen bekommen also mehr Geld von ihren Studenten, erhalten dafür aber weniger Förderung vom Staat. „Wir befürchten, dass die Verlagerung vom Staat auf den Studenten dazu führt, dass nervöse Unis noch mehr Studiengänge streichen, von denen sie sich keinen Profit versprechen“, erklärte die Generalsekretärin der Hochschulgewerkschaft, Sally Hunt. Die Gewerkschaft wertete für ihre Studie die Daten der britischen Zentralstelle für Studienbewerber aus. Bis zur Gebührenerhöhung meldete diese über Jahre steigende Bewerberzahlen, obwohl so viele Studiengänge gestrichen wurden.

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