Kult-Tasche : Design der Stabi-Tüte ausgezeichnet

Späte Ehrung für einen Berliner Kultgegenstand: Die transparente Tragetasche der Berliner Staatsbibliothek wird für ihr Design ausgezeichnet.

Amory Burchard

Diese Tragetasche ist nicht einfach eine Tüte. Sie ist ein Kultgegenstand. Hunderttausende von Studierenden und Wissenschaftlern haben ihre Bücher in der transparenten Tasche mit dem preußischblauen, gerahmten Schriftzug „Staatsbibliothek zu Berlin“ transportiert. In beiden Häusern der Bibliothek wird sie an den Garderoben ausgegeben: Die stabile Polyethylen-Tasche soll ausgeliehene Bücher schützen. Und die Eingangskontrolle kann durch die Tüte hindurch prüfen, was in den Lesesaal getragen wird.

Jetzt wird die Tragetasche in die Sammlung der Bröhan Design Foundation aufgenommen – im Bereich Typografie/Verpackung. Gründer und Geschäftsführer der Foundation ist der Galerist und Design-Autor Torsten Bröhan, Sohn des Stifters des Bröhan-Museums für Jugendstil.

Von wem die Stabi-Tüte einst entworfen wurde, ist nicht zu klären. Seit ihrer Einführung Mitte der 80er Jahre ist sie jedenfalls zu einem begehrten Label der Stabi-Leser geworden. Wer die Tüte offensiv durch die Stadt trage, ordne sich der intellektuellen Elite der Stadt zu, sagt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek. Die Tasche wird denn auch außerhalb der Bibliotheksgebäude gerne benutzt, etwa zum Einkaufen oder – wie jüngst im Mauerpark beobachtet – zum Transport akademischen Grillguts. Hergestellt wird die Stabi-Tüte derzeit bei der Firma PAM Verpackungen in Berlin-Marienfelde. Jährlich sind es 100000 bis 120000 Stück, die den Etat der Staatsbibliothek mit 12 000 bis 16 000 Euro belasten.

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