Die Ergebnisse für Berlin im Überblick

Seite 2 von 2
Update
Ländervergleich der Grundschulen : Berlin bleibt unter den Schlusslichtern
von und

Und wie schneiden nun die Berliner Grundschülerinnen und Grundschüler im Einzelnen ab? Im Folgenden einige der wichtigsten Resultate aus Berliner Sicht im Überblick:

Deutsch

Ob Lesen, Zuhören oder Rechtschreibung: Berlin ist mit Bremen Schlusslicht. Der Lernabstand zum Spitzenreiter Bayern beträgt mehr als ein halbes Schuljahr. Zwanzig Prozent der Schüler erreichen in Berlin nicht die Mindeststandards im Lesen (Bundesschnitt: 12,5 Prozent). Diese Schüler werden es nur mit sehr intensiver Förderung in die Sekundarstufe I schaffen. Dramatisch sieht es in der Orthographie aus. In Berlin beherrscht jeder dritte Schüler nicht die Mindestanforderungen, bundesweit jeder fünfte.

Für IQB-Studienleiterin Petra Stanat zeigt sich in den Deutsch-Resultaten, dass die Schulen in der Leseförderung zwar gut aufgestellt sind. Das ist tatsächlich der einzige Bereich, in dem die Leistungen stabil blieben. Anders sehe es mit der Sprachförderung aus: „Wir haben alle unterschätzt, wie schwer das ist.“ Auch in der Rechtschreibung sei einiges zu tun. Es wäre aber „fatal, das isoliert zu drillen“. Vielmehr müsse die Orthografie insgesamt in die Schreibförderung eingegliedert sein.

Mathematik

Auch in diesem Bereich liegt nur Bremen hinter Berlin. Anders als die Hansestadt fällt die Hauptstadt aber nicht weiter zurück. Überhaupt lässt sich sagen, dass Berlin auf seinem niedrigen Niveau konstant bleibt, während sich Baden-Württemberg oder Niedersachsen massiv verschlechtern.

Schüler mit Migrationshintergrund

Immer mehr Grundschüler haben einen Zuwanderungshintergrund: Bundesweit stieg deren Anteil in den vergangenen fünf Jahren um 8,9 Prozentpunkte auf 33,6 Prozent. In Berlin liegt der Anteil bei 41,4 Prozent (plus 5,8 Prozent), am höchsten sind die Werte in Bremen (52,5 Prozent) und Hamburg (48,5 Prozent). Die wachsende Heterogenität im Klassenzimmer – gleichzeitig werden mehr Kinder inklusiv beschult – ist für die Bildungsforscher ein Grund für den Rückgang der Schülerleistungen. Auffällig ist, dass Schüler mit und ohne Zuwanderungshintergrund gleichmäßig schwächer werden, wobei Migrantenkinder immer noch geringere Kompetenzen erreichen. Schüler, deren Eltern aus der Türkei stammen, liegen im Lesen ein Jahr zurück; Russischstämmige landen dagegen über dem deutschen Mittelwert.

Ist es zwangsläufig, dass Länder mit einem hohem Migrantenanteil schwächer abschneiden? Stanat hält es zwar für illusorisch, dass Berlin oder Bremen kurzfristig zu Flächenstaaten wie Bayern aufschließen. Allerdings zeige das Beispiel Hamburgs, dass sich auch ein Stadtstaat verbessern könne. Stanat lobte in Hamburg eine „Kultur des Hinschauens“ in den Schulen. Hamburg hätte eine viel stärkere Qualitätskontrolle der Schulen, ebenso eine intensivere Leistungserfassung der Schüler als Berlin und andere Länder.

Wie Berlin besser werden will

Senatorin Scheeres (SPD) erklärte: "Die Ergebnisse zeigen, dass Berlin seine Anstrengungen weiterhin auf verschiedenen Ebenen intensivieren muss". Das betreffe die Unterrichtsqualität, das Lehramtsstudium sowie die Datentransparenz für Schulleitungen und Schulaufsicht. Gleichzeitig zeigten die Ergebnisse, "dass es ein richtiger Schritt war, im neuen Lehrkräftebildungsgesetz Mathematik und Deutsch verpflichtend für die Ausbildung der Grundschullehrkräfte festzuschreiben".

Die Qualität des Unterrichts will Scheeres mit einem neuen "Indikatorenmodell" verbessern. Es werde gerade den Schulleitungen vorgestellt. Jede Schule sehe damit auf einen Blick, wo sie steht - unter anderem bei den Abschlüssen der Schülerinnen und Schüler, bei den Leistungsdaten, beim Unterrichtsausfall und beim Krankheitsstand, teilte Scheeres mit.

Was mussten Grundschüler wissen? Beispielaufgaben des Ländervergleichs finden sich hier auf der Homepage des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen.

Autor

243 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben