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Landeroboter auf dem Kometen Tschuri : Philae hat sich zum zweiten Mal gemeldet

Der waschmaschinengroße Roboter war monatelang in eine Kältestarre gefallen. Nun meldet sich Philae erneut, doch die Verbindung ist schlecht. Experten diskutieren, welche Experimente fortgesetzt werden sollen.

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Der Landeroboter "Philae".
Der Landeroboter "Philae".Foto: AFP PHOTO / ESA MEDIALAB

Es war schon ein kleines Wunder, dass sich der europäische Forschungsroboter "Philae" noch einmal aus seiner Kältestarre auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" gemeldet hat. Am Samstag um 22.28 Uhr wurden die ersten 300 von über 8000 Datenpaketen zur Erde gesendet. Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntag in Köln mit. „Philae geht es sehr gut: Er hat eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über 24 Watt“, erklärte DLR-Philae-Projektleiter Stephan Ulamec. 85 Sekunden lang „sprach“ Philae laut Ulamec mit seinem Bodenteam bei seinem ersten Kontakt seit seinem Winterschlaf.

Genau genommen hatte Philae Kontakt zu seiner "Muttersonde" namens Rosetta, die den Kometen umkreist und die Philaes Daten zur Erde weiterleitete. In der Nacht zu Montag gab es einen zweiten Kontakt. Allerdings sei die Verbindung dieses Mal "relativ instabil" gewesen, wie das DLR mitteilt.

Das Ziel: längere und stabile Kontakte zur Muttersonde

Bei der Analyse seiner Statusdaten zeigte sich, dass Philae auch zuvor schon wach gewesen sein muss. Die Experten gehen davon aus, dass der Roboter schon einige Tage eingeschaltet war, bevor er mit Rosetta in Kontakt trat. Derzeit versuchen die Fachleute, anhand der Daten zu erfahren, unter welchen Bedingungen die Verbindung zwischen dem Lander und der Muttersonde zustande kam. Das Ziel sei es nun, den Orbit von Rosetta so anzupassen, dass noch längere und stabile Kontakte aufgebaut werden können, erläuterte die Sprecherin. So können mehr Daten übertragen werden. Nach ersten Analysen handelt es sich dabei vor allem um Statusangaben des Landers, wie Temperatur und Energiezustand.

„Wir gehen davon aus, dass auch die Forschung wieder aufgenommen werden kann“, sagt Tilman Spohn vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin, der an einem Instrument auf Philae beteiligt ist. „Entscheidend war, dass die Temperatur im Innern der Sonde soweit steigt, dass sie sich wieder anschaltet, und das ist geglückt.“

Nach dem Gesundheitscheck wird festgelegt, welche Experimente gestartet werden

Bereits im Vorfeld hatten die an Philae beteiligten Forscher einen Plan gemacht, welche Experimente im Fall der Auferstehung wieder gestartet werden. „Die Priorität liegt bei den Versuchen, die im November nicht so erfolgreich waren“, sagt Spohn. Dazu gehört der Versuch, Bodenproben zu nehmen und sie chemisch zu analysieren. Auch das Radar und das Magnometer sollen eingeschaltet werden. Weiterhin steht das Infrarot-Messgerät auf der Liste, mit dem die Temperatur und die „thermische Trägheit“ gemessen werden. Dieser Wert gibt den Kometenforschern Hinweise, wie der Eis-und-Staub-Klumpen in 304 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde auf die zunehmende Temperatur reagiert.

Ob der Forschungsplan vollständig abgearbeitet wird, ist offen. Die Reihenfolge der Instrumente werde festgelegt, sobald Philaes Gesundheitszustand genau feststeht, heißt es in einer Mitteilung des DLR. "Zunächst werden sicherlich die nicht-mechanischen Instrumente zum Einsatz kommen, also Instrumente, die nicht bohren oder hämmern", sagt Ulamec. Ganz vorne mit dabei sind voraussichtlich auch Instrumente, die nur wenig Energie verbrauchen und auch nur geringe Datenmengen zur Erde schicken müssen.

Und noch eine Frage treibt die Wissenschaftler um: Wo steckt Philae? Noch immer ist unklar, wo der Roboter nach der Landung zum Stehen kam. Bisher gibt es kein Bild, auf dem er zweifelsfrei auszumachen ist.

Wegen Strommangel hatte sich der Roboter abgeschaltet

Die Landung erfolgte im November, nach zehnjähriger Reise mit der Raumsonde „Rosetta“. Die hatte den Roboter auf dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ abgesetzt, allerdings landete er im Schatten. Wegen Strommangels musste der Roboter auf Sonne warten, um neue Energie laden zu können. Philae hatte sich am 15. November 2014 abgeschaltet, nach dem er etwa 60 Stunden auf dem Kometen in Betrieb war. Seit dem 12. März 2015 war immer wieder die Kommunikationseinheit auf der Raumsonde „Rosetta“ eingeschaltet, um den Landeroboter zu rufen und seine Antwort zu empfangen. (mit dpa/Tsp)


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