Landwirtschaft in Skandinavien : Erste Bauern kamen aus Südeuropa

Ackerbau im Norden begann vor 6000 Jahren

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Ein entscheidender Schritt in der Menschheitsgeschichte ist der Übergang von einem Leben als Jäger und Sammler zu dem sesshafter Bauern. Während im Nahen Osten die Landwirtschaft bereits vor 11 000 Jahren begann, wurde sie in Skandinavien erst vor 6000 Jahren eingeführt – von Einwanderern aus Südeuropa. Das berichten Pontus Skoglund von der Universität in Uppsala und seine schwedischen und dänischen Kollegen in der Fachzeitschrift „Science“ (Band 336, Seite 466).

Sie stützen sich dabei auf genetische Untersuchungen an vier Menschen, die vor ungefähr 5000 Jahren auf der Insel Gotland und auf dem skandinavischen Festland lebten. Dort, im heutigen Schweden, war einer der Toten rund 1000 Jahre nach den ersten Spuren der Landwirtschaft im Norden in einem Großsteingrab beigesetzt worden. Sein Erbgut zeigte die meisten Ähnlichkeiten mit dem Genom der heute am Mittelmeer lebenden Völker. Das Erbgut der drei auf Gotland bestatteten Jäger und Sammler dagegen zeigt die meisten Ähnlichkeiten mit den modernen Skandinaviern und dort vor allem mit den Finnen.

„Es hat uns überrascht, dass die Menschen der beiden Kulturen über gut tausend Jahre nebeneinander lebten, bevor sie sich mischten“, sagt Ko-Autor Mattias Jakobsson. Dieses Ergebnis passt gut zu anderen Erbgutanalysen, nach denen in Zentraleuropa die aus dem Südosten kommenden Bauern ebenfalls lange Zeit neben den alteingesessenen Jägergruppen lebten, ohne dass sich im Erbgut Spuren einer Durchmischung zeigen.

Allerdings steht die schwedische Untersuchung bisher auf einer etwas wackligen Grundlage. Eine der Erbgutproben isolierten die Forscher zwar aus den Überresten eines Menschen in einem Megalith-Grab, das zu einer Bauernkultur gehört. Nach dem Errichten dieser aufwendigen Steinanlagen könnten sie aber auch von anderen Kulturen, die keine Bauern und Viehzüchter waren, für Bestattungen genutzt worden sein. Von Grabbeigaben wie zum Beispiel Getreidekörnern als Wegzehrung für die Reise in die Ewigkeit, die den Toten eindeutig als Bauern identifizieren könnten, berichten die Forscher nicht.

Auch konnte nur ein sehr kleiner Teil des Erbguts der vier vor 5000 Jahren Verstorbenen analysiert werden. Die genetische Untersuchung eines weiteren Toten aus dem Megalith-Grab mussten die Forscher sogar komplett verwerfen. Ein Vergleich dieser verhältnismäßig wenigen Daten mit dem Erbgut heute lebender Menschen fällt schwer, zumal letztere in den vergangenen Jahrtausenden eine bewegte Geschichte durchlebten, die auch im Erbgut ihre Spuren hinterlassen hat.

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