Wissen : LANGE NACHT DER WISSENSCHAFTEN Tipps und Termine von Adlershof bis Wedding

Route 1: ADLERSHOF

Wie gefährlich sind die Strahlen von Handys wirklich? Über diese Frage wird öffentlich immer wieder erregt diskutiert. Im Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (Gustav-Kirchhoff- Straße 4) können Besucher ihre Mobiltelefone testen lassen. Ingenieure messen, wie viel Strahlen das mitgebrachte Handy abgibt – und ob es womöglich sogar über den gesetzlich vorgegebenen Grenzwerten liegt. Weitere Höhepunkte in der Wissenschaftsstadt Adlershof, die zu den größten Technologiezentren Deutschlands gehört und wo vor allem Naturwissenschaftsfans auf ihre Kosten kommen: Im Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (Rutherfordstraße 2) können sich Sternengucker auf eine virtuelle Reise zum Mars begeben, Saturn und Venus erforschen, den Aufbau von Satelliten bewundern – und um 19 Uhr 45 Forscher auf ihrer Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems begleiten. Der imposante Elektronenspeicherring Bessy (Albert-Einstein-Straße 15) gehört traditionell zu den Besuchermagneten. Hier wird dieses Jahr auch erklärt, was es mit der Physik hinter den Abenteuern von James Bond auf sich hat (18 Uhr 30 und 22 Uhr 45). Zum ersten Mal stellen sich die Forscher des Unternehmens Berlin Chemie AG vor (Magnusstraße 11). Sie präsentieren eine Geschichte der Arzneimittelforschung.tiw

Route 2: BUCH

Experimentieren mit Einkäufen aus Super- und Baumärkten, ganz ohne Chemiebaukasten: Was dabei herauskommt, können Besucher im Gläsernen Labor im Oskar-und-Cécile-Vogt-Haus herausfinden (16 Uhr/18 Uhr 30/21 Uhr). Im Gläsernen Labor kann man mit der Hilfe von Forschern auch sein eigenes Erbmaterial, die DNS, aus der Mundschleimhaut isolieren – und sich über genetische Fingerabdrücke und Gentests aufklären lassen. Ab wann wir Hitze als Schmerz wahrnehmen, erklären Wissenschaftler im Communications Center des Max-Delbrück-Centrums. Besucher können testen lassen, wie empfindlich ihr eigener Tastsinn ist. Im Max-Delbrück-Centrum stellt sich auch der ambitionierteste Krankenhausneubau der Stadt vor: Das 200 Millionen Euro teure Helios-Klinikum Buch, das im Juli eröffnet wird. Die Ärzte zeigen neueste Behandlungsmethoden und laden Besucher ein, selber Hand anzulegen. So können Hobby-Chirurgen von Mitarbeitern des Gefäßzentrums lernen, wie man mit Nadelhalter, Lupenbrillen und Faden umgeht und große und kleine Wunden sauber zunäht. Das Motto der Übung lautet: „Das tapfere Schneiderlein im OP-Saal“ (alles Robert-Rössle-Straße 10). jbo

Route 3: WEDDING/MITTE

Auch Bauwerke sollten dem Zahn der Zeit widerstehen. Im Haus des Bauens (Gustav-Meyer-Allee 25) der Technischen Universität dreht sich alles um Anti-Aging im Bauwesen, um „kranke“ und „gesunde“ Bauwerke und um neue Baumethoden. Für Kinder ab zehn wird mit Beton gezaubert. Am Augustenburger Platz 1 öffnet das Deutsche Herzzentrum Berlin seine Pforten und gibt Einblicke in seine Arbeit, vom weltweit größten Kunstherzprogramm bis zu Kernspintomographen, die das schlagende Herz abbilden können. Umfassende Informationen über den Körper und seine Krankheiten bieten die Kompetenznetze in der Medizin. Das Expertenforum stellt sich im Deutschen RheumaForschungszentrum (Charitéplatz 1) vor. Unter dem bescheidenen Motto „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ erzählen Nachwuchswissenschaftler im Museum für Naturkunde (Invalidenstraße 43) Kindern die Geschichte unseres Planeten. Mit dem Mikroskop werden Expeditionen in den Mikrokosmos unternommen. wez

Route 4: MITTE

Auf seinem Weg von Troja nach Hause musste Odysseus sich mit Zyklopen, Kannibalen und bösen Zauberinnen herumschlagen. An der Humboldt-Universität (Hauptgebäude, Unter den Linden 6) können Kinder um 18 und 19 Uhr mehr über Odysseus’ Abenteuer erfahren (1. OG, Westflügel, Raum 2097 und Seitenfoyer). Danach wird hier gegessen wie in der Antike: Studenten haben römische Hackbällchen, Hirsebrei und andere Spezialitäten nachgekocht (halbstündige Vorträge ab 20 bis 23.30 Uhr). Außerdem zeigen Archäologen, wie sich der Mensch im Laufe der Jahrtausende den Werkstoff Stein zunutze gemacht hat. Hier haben Besucher die Möglichkeit, den weiten Weg vom Faustkeil bis zu den Pyramiden Ägyptens nachzuempfinden – Kinder können selbst eine Pyramide bauen (1.OG, Westflügel, Seitenfoyer und Flur). Bei den Unterwasserarchäologen dürfen Kinder am Grund eines nachgebauten Sees nach Schätzen suchen. Die Wissenschaftler vom Winckelmann-Institut zeigen, wie sie Brückenanlagen erforschen oder Karten vom Meeresgrund erstellen (1.OG, Westflügel, Treppe A). Wer sein Wissen überprüfen möchte, kann im Institut für Erziehungswissenschaften (Hegelplatz, Dorotheenstraße 24) ab 17 Uhr den Pisa-Test machen (Haus 1, Räume 1.301, 1.302, 1.305, 1.307). Für internationale Besucher bietet das Finnland-Institut (Georgenstraße 24) Vorträge auf Englisch: Hier werden Polarlichter gezeigt und erklärt (18.30, 20, 21.30 und 23 Uhr). dal

Route 5: CHARLOTTENBURG

Monsterwellen im Seegangsbecken, „High Performance“-Schiffe in der Rosa Röhre: Die spektakulären Großversuchsanlagen auf der Schleuseninsel öffnen ihre Pforten und überraschen mit maritimen Experimenten (Institut für Land- und Seeverkehr, Müller-Breslau-Straße, Zugang über die Brücke). Wie es den bedrohten Sprachen geht, können Besucher in einem halbstündigen Vortrag erfahren (18 Uhr, Raum H 1029, Straße des 17. Juni 135). Im Lichthof der TU (Straße des 17. Juni 135) werden die pflegeleichten Haustiere der Zukunft vorgestellt: Roboterhunde, die keinen Dreck hinterlassen, aufs Wort hören und sogar E-Mails vorlesen können. Wer endlich lernen will, mit seinem Handy umzugehen, kann an einem Handytraining für Menschen ab 50 teilnehmen (2. OG, Galerie am Lichthof, Straße des 17. Juni 135). In einem Lötkurs können Kinder Schmuck und Elektronik basteln (Institut für Mathematik, MA 141, Straße des 17. Juni 136). akü

Route 6: DAHLEM

Briefe und Erzählungen über den Holocaust, Familienfotos, Filmsequenzen und zeitgenössische Musik: Die Europa-Premiere der amerikanischen Oper „Darkling“ macht den frisch sanierten Henry-Ford-Bau der Freien Universität (Garystraße 35) zu einem Erinnerungsort (20 bis 21.30 Uhr, Eintritt frei). Nebenan in der Unibibliothek und im Center für Digitale Systeme (Boltzmannstraße 20) gibt es Einblicke in das Video-Archiv zur Shoa mit 52 000 Zeitzeugen-Interviews. Eine orientalische Oase bietet das Institut für Semitistik und Arabistik in der Rostlaube: Im Schriftlabor lernt man Phönizisch zu schreiben (JK 27/106), kann Kurzvorträge etwa über Haremsfantasien europäischer Männer hören (18 Uhr; JK 28/112) und sich mit dem Duft von Damaszener Rosen, mit arabischem Kaffee und Pfefferminztee verwöhnen lassen (JK 27/14). Neue Horizonte eröffnen sich auch im Deutschen Archäologischen Institut (Podbielskiallee 69-71). Im Garten steht eine mongolische Jurte, es gibt Salztee und Hammelspieß wie zu Dschingis Khans Zeiten. Kinder können von 17 bis 20 Uhr auf Schatzsuche gehen und urgeschichtliche Keramik töpfern. Ganz weit zurück in die Menschheitsgeschichte führt das Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (Ihnestraße 63-73). Im Labor zeigen Forscher Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Affen und Menschen. -ry

Route 7: POTSDAM

Um die Erde und ihr Klima, um Sonne und Sterne dreht es sich auf dem Telegrafenberg, dem Potsdamer Standort der Langen Nacht. Im Geoforschungszentrum führt das „Geotheater“ mit seinem Stück „Zeitreise“ durch die Erdgeschichte (17 Uhr und 18 Uhr 15). Infos gibt es über das Tsunami-Frühwarnsystem im Indischen Ozean. Mit festen Hammerschlägen, die von einem Seismometer aufgezeichnet werden, ist ein „Erdbebendiplom“ zu erwerben. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung konzentriert sich auf die Erderwärmung und weist „Wege aus der Klimafalle“. Auflockerung bieten das Brettspiel „Keep Cool“ oder das Computerspiel „Umweltalarm Elbe“. Im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung können sich Besucher als Polarforscher einkleiden und in einem Eiscamp überwintern. Vom Leben auf dem Eisbrecher „Polarstern“ berichten kürzlich aus der Antarktis zurückgekehrte Forscher. Heiß her geht es im Astrophysikalischen Institut, wo im Einsteinturm die Physik der Sonne präsentiert wird. Nächtliche Sternenpracht zeigt gleich nebenan der „Große Refraktor“ – bei klarem Himmel jedenfalls. Die Vorführung von Deutschlands größtem Linsenteleskop ist dagegen wetterunabhängig. pja

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