Wissen : Leben in zwei Welten

Vormenschen zogen sich in Baumkronen zurück.

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Vor gut drei Millionen Jahren lebten die Vormenschen der Art Australopithecus afarensis offensichtlich in zwei Welten. Hüfte, Beine und Füße eigneten sich, um auf zwei Beinen über die Savannen Afrikas zu traben. Das zeigten bereits 1974 die fossilen Knochen eines Individuums, das nach einem damals beliebten Song der Beatles „Lucy“ genannt wird. Schulter, Arme und Hände dieser Art ähneln dagegen zum Teil verblüffend den Gliedmaßen, mit denen sich Schimpansen und junge Gorillas noch heute durch das Kronendach des Regenwaldes hangeln.

In einem heute im Fachblatt „Science“ erschienenen Bericht demonstrieren Zeresenay Alemseged von der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften in San Francisco und David Green von der Midwestern University Downers Grove im US-Bundesstaat Illinois das mit den Schulterknochen der in Äthiopien gefundenen Fossilien eines Australopithecus-afarensis-Mädchens.

„Bisher gab es zwei unterschiedliche Theorien über die Entwicklung von einem kletternden Affen zum zweibeinigen Menschen“, erklärt Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Eine Forscherfraktion hatte angenommen, dass die ersten Vormenschen sich vollständig vom Leben in den Baumkronen verabschiedeten, sobald sie sich zu einem Zweibeiner entwickelt hatten. „Savanne oder Wald“ könnte man die Position nennen, beide Lebensstile gleichzeitig schienen den Forschern unvereinbar. Andere Wissenschaftler glaubten, dass der Zweibeiner Australopithecus afarensis sowohl durch die Savanne streifen wie auch im Geäst klettern konnte. Die Schulterknochen des dreijährigen Mädchens geben dieser „Savanne und Wald“-Fraktion recht.

So ist die Gelenkpfanne der Schulter, die den Oberarmknochen umgibt, beim Australopithecus-Mädchen ein wenig nach oben gerichtet. Ihre Arme konnten daher Äste über dem Kopf greifen und waren so eine ideale Voraussetzung für einen Kletterer, wie es junge Gorillas und Schimpansen noch heute sind. Bei Menschenbabys ist diese Gelenkpfanne leicht nach unten gerichtet und die Stellung der Arme ist zum Klettern viel weniger geeignet. Das ist ein Grund, warum uns Schimpansen und junge Gorillas im Dach des Regenwalds überlegen sind. Auch Australopithecus konnte sich vor Löwen auf Bäume retten. Roland Knauer

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