Lehrermangel in Berlin : Quereinstieg ins Lehrerstudium

Neue Master-Studiengänge an FU und TU sollen Seiteneinsteiger auf das Referendariat vorbereiten.

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Manche Eltern greifen tief in die Tasche, um ihre Kinder optimal fördern zu lassen.
Manche Eltern greifen tief in die Tasche, um ihre Kinder optimal fördern zu lassen.Foto: ZB/dpa

Die Freie Universität will den akuten Lehrermangel mit einem weiteren Instrument anpacken. Ein neuer Modell-Masterstudiengang soll Quereinsteiger auf das Referendariat vorbereiten und für das Lehramt an Gymnasien oder der Integrierten Sekundarschule qualifizieren, nämlich in den Fächern Englisch, Französisch, Informatik, Italienisch, Mathematik, Physik, Spanisch sowie Deutsch und Geschichte. Zum Wintersemester sollen zunächst 30 Studienplätze vergeben werden. „Wegen der außerordentlichen Bedarfe wollen wir die Flexibilität steigern“, sagte FU-Präsident Peter-André Alt jetzt im Akademischen Senat (AS), der der Einrichtung des Studiengangs zustimmte.

Ingenieure sind willkommen, aber neben dem Beruf ist der Q-Master kaum zu studieren

Zur Zielgruppe des „Q-Masters“ gehören zwar auch Berufstätige, die ihren Studienabschluss (Magister, Diplom) schon vor vielen Jahren gemacht haben und umsatteln wollen (etwa Ingenieure). Doch wegen des komprimierten zweijährigen Studienprogramms dürfte sich der „Q-Master“ kaum nebenher studieren lassen. Darum zielt man vor allem auf Studierende, die ihren Bachelor ohne Lehramtsinhalte absolviert haben und für den aufbauenden Master nun aufs Lehramt umschwenken wollen, genauer, auf jene Studierenden, die im „Mono-Bachelor“ studiert haben, also ihr zweites wissenschaftliches Fach in nur geringem Umfang belegt haben. Diese Absolventen des „Mono-Bachelors“ können im „Q-Master" fehlende fachwissenschaftliche Anteile sowie die im Bachelor versäumte Pädagogik und Didaktik nachholen – und so in den Schuldienst gelangen, mit ordentlicher pädagogischer Qualifikation und ohne länger als ihre Kommilitonen studiert zu haben. „Was fehlt, soll passgenau belegt werden können“, sagte Vizepräsident Klaus Hoffmann-Holland im AS.

Mehr pädagogische Qualität

Da es bei den Umfängen gegenüber den regulären Lehramtsstudierenden leichte Abstriche gibt, kann der Studiengang nur als Modellversuch eingerichtet werden: „Die Quereinstiegs-Master sind kein Ersatz für die grundständige Ausbildung“, teilte Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Jugend, auf Anfrage mit. „Unser Ziel ist es, neue Bewerbergruppen für ein Lehramt zu erschließen.“ Die FU legt den „Q-Master“ im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ auf. Volkhard Nordmeier, Physik-Didaktiker, hob den Gewinn an pädagogischer Qualität durch den „Q-Master“ hervor. In vielen Bundesländern, auch in Berlin, würden Seiteneinsteiger direkt ins Referendariat eingefädelt, ohne pädagogische und didaktische Kenntnisse aus einem Studium. „Für Schüler ist das eine schwere Hypothek“, sagte die Erziehungswissenschaftlerin Felicitas Thiel.

Kombi-Bachelor dürfen nicht in den Q-Master

Warum dürfen aber Studierende, die einen „Kombi-Bachelor“ absolviert haben – also zwei wissenschaftliche Fächer studiert haben – , nicht ebenfalls in den „Q-Master“, um dort das Lehramtsstudium und fehlende fachwissenschaftliche Anteile nachzuholen?, wurde in der Debatte im AS mehrfach gefragt. Entscheiden die Kombi-Bachelor-Studierenden sich spät im Bachelor-Studium oder nach dem Abschluss für einen Wechsel ins Lehramt, müssen sie zurück ins dritte oder fünfte Fachsemester, verlieren also Zeit, während die Mono-Bachelor fortan direkt in den „Q-Master“ wechseln dürfen. Doch die FU muss sich hier an die entsprechende Vorgabe der Kultusministerkonferenz halten. Danach muss das erste Fach im Wesentlichen in dem Umfang studiert werden, in dem es im Lehramtsstudium vorkommt, das zweite Fach soll anteilig vergleichbar sein. Wer den Kombi-Bachelor studiert, kommt aber nur auf 90 Leistungspunkte im Kernfach statt der geforderten 105 Leistungspunkte – der Mono-Bachelor kann gleich 150 Leistungspunkte im Kernfach mitbringen.

Die Humboldt-Universität wartet erstmal ab

Die TU will zum Wintersemester einen ähnlichen Master für Quereinsteiger anbieten, und zwar für das Lehramt in der beruflichen Bildung im Fach Elektrotechnik. „Das ist ein absolutes Mangelfach an Berufsschulen“, sagt Angela Ittel, TU-Vizepräsidentin für Lehrkräftebildung. Der Studiengang ist ebenfalls auf 30 Studienanfänger ausgelegt. Die Humboldt-Uni will zunächst den Modellversuch der FU verfolgen und dann überlegen, ob sie ein analoges Angebot auflegt, sagt HU-Vize Michael Kämper-van den Boogaart.

Für das Grundschullehramt wird laut Senatsverwaltung noch an Konzepten gearbeitet. Die große Herausforderung sei hier, die drei Fächer im Grundschullehramt in einen Quereinstiegs-Master unterzubekommen.

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