Wissen : Lenzen offenbar vor dem Absprung Am heutigen Donnerstag wählt die Uni Hamburg

Amory Burchard/Anja Kühne
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Foto: Promo

Der Wechsel von FU-Präsident Dieter Lenzen an die Spitze der Uni Hamburg (der Tagesspiegel berichtete) wird immer wahrscheinlicher. Noch immer hat Lenzen die Gerüchte um seinen angeblich bevorstehenden Wechsel nach Hamburg nicht dementiert. Im Akademischen Senat der Freien Universität ließ er sich am Mittwoch wegen Krankheit entschuldigen. Der Politikwissenschaftler Hajo Funke erklärte in der Sitzung, nach seinen internen Informationen werde Lenzen am heutigen Donnerstag als einziger Kandidat in Hamburg antreten. Die Mitglieder des Akademischen Senat reagierten darauf gelassen – eine Debatte über die Zukunft der FU fand nicht statt.

Auch nach Informationen von Hamburger Studierenden ist Lenzen der einzige Kandidat bei der Leitungswahl. Beworben habe sich aber auch Volker Gerhardt, Philosophieprofessor an der Humboldt- Universität und Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – offenbar erfolglos. Auf Anfrage des Tagesspiegels sagte Gerhardt, dazu wolle er sich nicht äußern.

Die Universität Hamburg gab keinen Zeitplan für die Wahl bekannt. Den Studierenden zufolge soll Lenzen aber „in einem Rutsch“ dem Hochschulrat vorgestellt, von ihm gewählt und direkt danach vom Akademischen Senat der Uni bestätigt werden. Sie kritisieren, dass die Wahl nicht öffentlich und schon die Arbeit der Findungskommission intransparent gewesen sei. Auch aus Professorenkreisen ist zu hören, dass Hamburg mit dem geheimen Wahlverfahren eine Chance verpasse, nach dem Debakel mit der im Sommer aus dem Amt gedrängten Präsidentin Monika Auweter-Kurtz ein Zeichen für mehr Transparenz und Demokratie an der Universität zu setzen.

Der Präsident oder die Präsidentin der Universität Hamburg wird nicht wie etwa die Leitung der Freien Universität nur für eine vierjährige Amtszeit gewählt, sondern für sechs Jahre. Eine Wiederwahl für weitere sechs Jahre lässt das Hamburger Hochschulgesetz zu. In Hamburg kommt bei der Präsidentenwahl dem Hochschulrat größere Bedeutung zu als dem Akademischen Senat, dem Gremium der Basis. Zwar sind in der Findungskommission zu gleichen Teilen Mitglieder beider Gremien vertreten. Doch gewählt wird der Kandidat oder die Kandidatin nicht wie in Berlin vom Akademischen Senat, sondern vom Hochschulrat. In Hamburg muss der Akademische Senat die Wahl nur bestätigen.

Lenzen wäre ein unpassender Nachfolger für Auweter-Kurtz, heißt es in einer Erklärung von Studierenden. Der Stuttgarter Raketenforscherin war ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen worden.

Am Mittwoch hatten die Hamburger Audimax-Besetzer Besuch aus Berlin: Eine Delegation von Kommilitonen von der FU Berlin berichtete ihnen über Dieter Lenzen und stellte ihre Kampagne „Not My President“ vor. Sie werfen Lenzen vor, „die FU in eine autokratische Hochschule verwandelt“ zu haben und Forderungen aus dem „Bildungsstreik“ nicht umzusetzen. Die Hamburger teilten danach mit, sie würden „den Kandidaten Lenzen nicht akzeptieren“. mit dhan Amory Burchard/Anja Kühne

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