Wissen : Lenzens neue Baustellen

Auf den scheidenden FU-Präsidenten warten in Hamburg große Aufgaben

Dieter Hanisch
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Neue Fassade. Umstritten sind Pläne, die Campussanierung mit der Beleihung von Unigebäuden zu finanzieren. Foto: Promo

Noch in dieser Woche rechnet Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) mit einer Entscheidung von Dieter Lenzen, ob er seine Wahl zum Präsidenten der Hamburger Universität annimmt. Nachdem Lenzen wie berichtet zu den Studierenden der Uni Hamburg mit einem offenen Brief Kontakt aufgenommen hat, zeigt sich auch Gundelach zuversichtlich. Lenzen müsse nur noch Einzelheiten seines Auflösungsvertrages in Berlin und Fragen der Altersbezüge klären, sagte Gundelach jetzt bei einem Pressegespräch.

In Hamburg erwarten Lenzen indes mehrere hochschulpolitische Großbaustellen: die Novellierung des Hochschulgesetzes, die neue Lehrverpflichtungsverordnung und die Sanierung des maroden Campus im Stadtteil Eimsbüttel. Sie wolle jetzt schnell Lösungen herbeiführen, sagte Gundelach. Langwierige Diskussionen um die Strukturen schadeten dem Lernklima an den Hamburger Hochschulen.

Die Evaluierung des Hochschulgesetzes hat die Senatorin jetzt vorgezogen; im schwarz-grünen Koalitionsvertrag vorgesehen war ein Gutachten erst zur Mitte der Legislaturperiode. Über das 85-seitige Gesetz soll sich nun eine achtköpfige Kommission von Hochschulexperten aus ganz Deutschland beugen – unter Regie des Historikers Winfried Schulze, Emeritus der Universität München und einst Vorsitzender des Wissenschaftsrates. Vorliegen soll das Gutachten im Herbst 2010. Umstritten ist besonders die starke Rolle des Hochschulrates an der Uni Hamburg, wie zuletzt bei der Lenzen-Wahl deutlich wurde. Studierende aber auch Professoren hatten kritisiert, dass das Verfahren intransparent gestaltet worden sei. Auch wählt in Hamburg der Hochschulrat mit seinen externen Mitgliedern den Präsidenten, während das Gremium der Basis, der Akademische Senat, die Wahl nur bestätigt.

Die kommissarische Unipräsidentin Gabriele Löschper und Vizepräsident Holger Fischer drängen bei der Wissenschaftssenatorin auch darauf, in letzter Minute einen weiteren Streifall zu entschärfen. Am 1. Januar soll eine neue Lehrverpflichtungsverordnung (LVVO) in Kraft treten, mit der die Behörde die bisher festgeschriebene Stundenzahl für Lehrende flexibler gestalten will. Die Lehrverpflichtung soll von bisher acht auf durchschnittlich neun und in Spitzen bis zu 14 Wochenstunden steigen. Dagegen hat der Personalrat binnen sechs Wochen 1200 Protestunterschriften gesammelt – unterzeichnet haben auch fast 80 Prozent aller 550 Professoren. Sie befürchten, dass ihnen schlimmstenfalls nur noch zehn Prozent der Arbeitszeit für Forschung bleiben. Der Hamburger Hochschulverband gibt zu bedenken, dass bei steigenden Studierendenzahlen – im nächsten Sommer gibt es doppelte Abiturjahrgänge – eine Einschränkung von Forschung und Wissenschaftsfreiheit bei einer Verwässerung der Lehre drohen. „Wer einen Ruf nach Hamburg angenommen hat, oder hier auf einer Stelle promovieren oder habilitieren möchte, würde in eine Karrierefalle geraten“, sagt der Verbandsvorsitzende Hartmut Schmidt. Zudem könnte das neue Arbeitszeitmodell das Verwaltungsgericht animieren, noch häufiger Abiturienten recht zu geben, die sich auf Studienplätze einklagen. Dabei platze die Uni bereits heute aus allen Nähten. In Berlin ist die Lehrverpflichtung für Professoren bereits vor Jahren auf neun Semesterwochenstunden erhöht worden. Die neuen Hochschulverträge erlauben in Berlin auch die Einführung von Lehrprofessuren – dafür hatte sich dem Vernehmen nach Lenzen eingesetzt, während die Humboldt-Universität skeptisch reagierte.

Für den aktuten Sanierungsbedarf des Hamburger Campus zeichnet sich unterdessen eine Lösung ab; doch auch sie ist bereits umstritten. Alle universitären Liegenschaften in städtischem Besitz sollen durch Bildung eines Sondervermögens beliehen werden, kündigte Wissenschaftssenatorin Gundelach an. Genau so ist bereits die Schulbehörde in Hamburg mit ihrem Gebäudemanagement verfahren. Die Opposition von SPD und Linken kritisiert dies als Schaffung von Schattenhaushalten, für die selbstverständlich Zinsen und Tilgung anfallen.

Ein weiterer politischer Streit zeichnet sich darüber ab, welche finanziellen Zusagen Gundelach Dieter Lenzen für seinen Stab im Präsidialamt gemacht hat. Auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage der Linken verweigerte der Senat die Antwort. Wie der Tagesspiegel jetzt erfahren hat, soll Lenzen gegenüber Mitgliedern des Akademischen Senats der Uni Hamburg gesagt haben, die Wissenschaftssenatorin habe ihm dafür eine halbe Million Euro in Aussicht gestellt. Dieter Hanisch

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