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Letzte Magister-Studenten : Massenexmatrikulation an der Humboldt-Universität

Die Humboldt-Universität setzt Fristen für die alten Magister- und Diplomstudiengängen um: Jetzt sollen 733 Studierende exmatrikuliert werden. Der Asta ist empört - und droht der Uni nun mit einem Rechtsstreit.

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Auf die Plätze: 733 Magisterstudenten müssen bis zum 31. März fertig werden
Auf die Plätze: 733 Magisterstudenten müssen bis zum 31. März fertig werdenFoto: Thilo Rückeis

Wenn es nach der Humboldt-Universität (HU) geht, werden am kommenden Montag über 700 Studierende exmatrikuliert. Die Universität beendet zum Semesterschluss am 31. März viele ihrer auslaufenden Magisterstudiengänge. Wenn es nach dem "Refrat" geht, der Studierendenvertretung der Uni, dann ist das der Auftakt für eine juristische Klagewelle.

Die Magisterstudenten sollten zwangsexmatrikuliert werden, sagt Sascha Watermann. Rechtlich festgelegte Fristen würde ihnen die HU dabei nicht gewähren. Watermann war bis Jahresende Referent für Lehre und Studium beim Refrat und kennt die Sorgen der letzten Magisterstudenten. „Die Uni muss jedem einen Vertrauensschutz gewährleisten“, sagt Watermann, „allerdings hält sie diesen absichtlich klein.“ Der Vertrauensschutz ermöglicht, zwischen zwei und vier Semester über die Regelstudienzeit hinaus an der Uni weiterzulernen.

In der Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge hatte sich auch die HU zum Vertrauensschutz bereit erklärt. Nun mache die Universität von der Minimalfrist Gebrauch, sagt Watermann: zwei anstatt vier Semester, obwohl es keine klare Rechtsprechung gebe, die die kurze Frist rechtfertigt. „Die Uni bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.“

Der Refrat wittert einen Rechtsbruch - doch die Uni hat großzügige Fristen gewährt

Der Leiter der HU-Studienabteilung, Steffan Baron, kann keine Grauzone erkennen. Alle betroffenen Studierenden seien bereits zwischen Ende 2011 und Anfang 2012 mit Briefen auf ihre letztmöglichen Prüfungstermine bis Ende März 2014 hingewiesen worden, sagt Baron auf Anfrage. Danach gab es Infoveranstaltungen und Einzelgespräche.

Zuletzt wurden die Studierenden Anfang März an die Frist erinnert und auf einen möglichen Wechsel in den Bachelor hingewiesen. „Insgesamt haben wir also den Studierenden zwischen vier und fünf Semester Zeit gegeben – und das, obwohl in vielen Fällen die Regelstudienzeit längst überschritten war.“

Ende 2011 gab es noch rund 2.500 Magisterstudenten an der HU, 733 seien nun vom letzten Prüfungstermin am 31. März betroffen, sagt Baron. Davon hätten neunzig Prozent gar nicht auf die Anschreiben der HU reagiert, „und daher wohl auch gar kein Interesse mehr am Studium.“ Rund 60 hätten einen Wechselantrag in einen Bachelorstudiengang gestellt. Wer diesen nicht fristgerecht bis zum 31. März einreiche, werde trotzdem nicht gleich rausgeschmissen, sagt Baron. „Zwangsexmatrikuliert wird niemand.“

Wer seinen Magister nicht schafft, darf - oder muss - als Bachelor weitermachen

Genau hier widerspricht der Refrat. Den Referenten seien mehrere Fälle bekannt, in denen Härtefallanträge abgelehnt wurden. Man vermute, dass die Uni jeden ablehne, der mehr als zwei Semester Verlängerung für seinen Abschluss benötigt. Auch sei die Information, dass Studierende einen Härtefallantrag stellen können, nicht mit den Schreiben Ende 2011 gekommen - sondern erst "verklausuliert" vor vier Monaten. Um die Magisterstudenten zu schützen, will der Refrat nun ein Rechtsgutachten erstellen.

Auch unabhängig der Härtefallanträge sieht Sascha Watermann vom Refrat die Wechseloption zum Bachelor als fragwürdiges Angebot. Studienleistungen können aufgrund der unterschiedlichen Systeme nur unzureichend verglichen werden: „Wer im Magister bereits scheinfrei ist, wird bei einigen Bachelorstudiengängen in das dritte Fachsemester eingestuft.“ Für die Altstudierenden wäre das ein Schritt zurück.

Unabhängig von der Wechseloption konnten Studierende einen Härtefallantrag stellen. Wenn sie die Verzögerung ihres Studienverlaufs begründen, erhalten sie eine Fristverlängerung. Der Refrat schildert Fälle von jungen Müttern oder chronisch Erkrankten, die keine Antwort auf ihren Antrag erhielten oder abgelehnt worden seien. Rund 100 Studierende hätten sich mit Hilfegesuchen an den Rat gewandt. „Aber es gibt auch viele, die aufgeben“, sagt Joao Fidalgo vom Refrat.

Mit der Frist zum 31. März sind noch nicht alle alten Studiengänge an der HU beendet. Zum Ende des Sommersemesters stehen weitere Auslauftermine an. Die längste Galgenfrist erhalten Studierende im Diplomstudiengang Informatik: Hier ist die Aufhebung für Sommer 2018 angesetzt.

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