Leuchtendes Beispiel : Affen geben genetische Veränderung weiter

Zum ersten Mal ist es gelungen, Affen so genetisch zu verändern, dass sie diese Veränderung an ihre Nachkommen weitergeben. Jetzt hoffen Forscher, sie könnten eine neue Art Labortier züchten. Doch das Vorhaben birgt ethischen Sprengstoff.

Kai Kupferschmidt

Eigentlich sehen die Äffchen Kei und Kou ganz normal aus. Der einzige Unterschied zu ihren Verwandten ist, dass sie in ultraviolettem Licht grün leuchten. Aber das ist ein riesiger Fortschritt. Es sei das erste Mal, dass Affen genetisch so verändert wurden, dass sie diese Veränderungen auch an ihre Nachkommen weitergeben, schreiben japanische Forscher im Fachblatt „Nature“. Sie hoffen nun, aus solchen veränderten Affen eine neue Art Labortier zu züchten und so Medikamente für bisher unheilbare Krankheiten beim Menschen zu finden. Der Erfolg birgt aber auch ethischen Sprengstoff.

In der medizinischen Forschung wird nach wie vor hauptsächlich auf Mäuse zurückgegriffen. An ihnen untersuchen Mediziner Asthma oder Autismus ebenso wie Multiple Sklerose. Aber Mäuse sind keine Menschen und manche Krankheiten lassen sich in ihnen nicht nachbilden. Pflanzt man den Nagern etwa die Genvariante ein, die beim Menschen Mukoviszidose verursacht, zeigen sie nicht die Krankheitssymptome, die menschlichen Patienten so zu schaffen machen.

Schon länger wurde deswegen versucht, Affen genetisch zu verändern. Schließlich sind sie in der Tierwelt unsere nächsten Verwandten. Das Problem: Den Affen konnte zwar mit viel Aufwand ein Krankheitsgen eingeschleust werden. Weil das Gen sich aber nicht fest in das Erbgut einbaute, wurde es später nicht an die Nachfahren weitergegeben. Erst eine solche Affenlinie, die in jeder Generation das Krankheitsgen in sich trägt und genau erforscht werden kann, taugt für die Forschung.

Die Wissenschaftler um Erika Sasaki vom zentralen Institut für Tierversuche in Kawasaki haben genau das jetzt erreicht. Dafür nutzten sie kein Krankheitsgen, sondern das Gen GFP. Das ist die Bauanleitung für ein Protein aus Quallen, das in ultraviolettem Licht grün leuchtet. So lässt sich leicht überprüfen, ob die Veränderung des Affenerbguts funktioniert hat. Das Beispiel soll beweisen, dass die Methode funktioniert.

Mit Hilfe eines Virus schleusten die Forscher das Gen in 91 Affenembryonen und transplantierten die 80 gesunden Keimlinge in Leihmütter. Insgesamt fünf Äffchen kamen zur Welt. Einer von ihnen, Kou, gab das grüne Leuchten auch an seine Nachkommen weiter. Die Forscher wollen nun eine Affenlinie generieren, die an Parkinson leidet. Aber auch ALS und Huntington könnten wichtige Ziele sein.

Für ihre Versuche nutzten die Wissenschaftler nicht wie sonst üblich Rhesusaffen, sondern brasilianische Weißbüscheläffchen. Der Vorteil: Sie sind schon nach einem Jahr geschlechtsreif und können in ihrem Leben 40 bis 80 Nachfahren zur Welt bringen und nicht nur 10 wie Rhesusaffen. Der Nachteil: Weißbüscheläffchen gehören zwar zu den Primaten, als Neuweltaffen sind sie aber nicht so eng mit dem Menschen verwandt wie etwa Schimpansen oder auch Rhesusaffen.

Sie sind uns allerdings ähnlich genug, um die Diskussion um Tierversuche erneut zu entfachen. In einem begleitenden Kommentar schreiben die Primatenforscher Gerald Schatten und Shoukhrat Mitalipov, die in Amerika forschen, dass es sich bei der Arbeit „zweifellos um einen Meilenstein handelt“. Sie weisen aber auch auf Fragen des Tierschutzes hin. So fordern sie, dass nur dann an den Primaten geforscht werden sollte, wenn Mäuse oder andere Tiere für die Krankheit nicht geeignet sind. Außerdem solle die Forschung sich auf unheilbare Krankheiten konzentrieren, für die bald neue Behandlungsmöglichkeiten zu erwarten seien.

Schatten und Mitalipov weisen auch ausdrücklich auf bioethische Bedenken hin. Denn die Möglichkeit, Menschen genetisch zu verändern, rückt ebenfalls näher. Wie bei der Frage von Tierversuchen, sind die Argumente hier nicht neu. Die Atmosphäre, in der sie diskutiert werden, dürfte sich aber durch Kei und Kou weiter aufheizen.

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