Wissen : Lübecker Profs drohen mit Weggang

Weitere Proteste gegen geplantes Aus für Medizin

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Soli-Marzipan. Niederegger stellte eine 1500 Gramm schwere Torte her. Foto: dpa
Soli-Marzipan. Niederegger stellte eine 1500 Gramm schwere Torte her. Foto: dpaFoto: dpa

Jan Born, Schlafforscher an der Universität Lübeck, hat von der Landesregierung verlangt, die Entscheidung über die Abwicklung der medizinischen Fakultät zurückzunehmen. Wie berichtet, sollen ab 2011/12 in Lübeck keine Mediziner mehr ausbildet werden. Die Streichung gehört zum umfangreichen Sparpaket in Schleswig-Holstein und gefährdet die ganze Universität Lübeck. Denn diese ist aus der Medizin entstanden, und alle anderen Studiengänge sind mit ihr vernetzt. Ende Mai war bereits der gemeinsame Hochschulrat der drei Landesuniversitäten im Protest zurückgetreten.

Leibniz-Preisträger Born ist entschlossen, Schleswig-Holstein zu verlassen, falls die Landesregierung an ihren Plänen festhält. Er habe bereits interessante Angebote, eines auch aus Berlin, erklärte Born. Auch weitere führende Wissenschaftler der Universität Lübeck drohen mit ihrem Weggang. Entschieden hat sich bereits Matthias V. Kopp aus der Kinderklinik. Er wechselt „wegen der unsicheren Zukunft“ an die Universität Freiburg, wie Lübecks Uni-Präsident Peter Dominiak bestätigte.

Die Proteste gegen die Abwicklung der Medizin haben am Montag auch Berlin erreicht. Nach einer „Exilvorlesung“ im mecklenburgischen Schönberg mit dem Chef des Uni-Instituts für Biochemie, Rolf Hilgenfeld, machten sich drei Busse aus Lübeck mit Ziel Berliner Tiergarten auf den Weg, um auch dort öffentlichkeitswirksame Vorlesungen abzuhalten. „Palliativmedizin – Totgesagte leben länger“ sowie „Sauerstoffversorgung und Durchblutung – in der Not hilft nur Druck“ lauteten zwei der Themen. Gemeinsam mit Studierenden wollte die Lübecker Klinikleiterin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Barbara Wollenberg, anschließend noch vor der schleswig-holsteinischen Landesvertretung demonstrieren. Sie habe inzwischen Angebote aus Großbritannien und den USA, darunter aus New York, erklärte Wollenberg. Auf keinen Fall aber wolle sie an die Universität Kiel wechseln.

Virusforscher Rolf Hilgenfeld, Direktor des Instituts für Biochemie, hat in der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Stelleninserat geschaltet, in dem er den Kernbereich seines Instituts bundesweit zur kompletten Übernahme anbietet. Mit im Paket seien eine Million Euro Forschungsgelder jährlich und 25 hochqualifizierte Jungwissenschaftler. Ihm selbst liege bereits ein Angebot für eine Professur in Schanghai vor, sagte der Experte für die Lungenkrankheit Sars. Dieter Hanisch

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