Luftfahrt : Regenbogen im Schlepptau

Es gibt Kondensstreifen, die allein dadurch entstehen, dass Luft über die Tragflächen eines Flugzeugs strömt und sich dabei Eiskristalle bilden. Diese Streifen sind dann nicht nur weiß - sie können alle Farben des Regenbogens zeigen.

Ralf Nestler
Kondensstreifen Foto: DLR/Jeff Well
Bunte Wolke. Verschieden große Eiskristalle in Kondensstreifen reflektieren Licht in bestimmten Farben. -Foto: DLR/Jeff Well

Wenn Flugzeuge fliegen, malen sie unter bestimmten Voraussetzungen weiße Linien ans Firmament: Kondensstreifen. Diese lang gezogenen Wolken bilden sich, wenn die heißen Abgase aus den Triebwerken in der kalten Höhenluft kondensieren. Es gibt aber auch Kondensstreifen, die allein dadurch entstehen, dass Luft über Tragflächen strömt und sich dabei Eiskristalle bilden. Diese Wolken können alle Farben des Regenbogens zeigen, berichten Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Während des Flugs wird die Luft unter den Tragflächen zusammengedrückt. Über den Flügeln jedoch nimmt der Druck kurzfristig enorm ab. Nach den Gesetzen der Thermodynamik sinkt dabei die Lufttemperatur so stark, dass sich Eiskristalle bilden können. Diese sind anfangs winzig klein und reflektieren vor allem blaues Licht. Dem Erklärungsmodell der DLR-Forscher zufolge wachsen die Eispartikel im Lauf der Zeit, und zwar ziemlich gleichmäßig. Je weiter sie vom Flugzeug entfernt sind, desto größer sind die Kristalle und desto langwelliger ist das Licht, das sie reflektieren. Die Farbe der Kondenswolke ändert sich daher von Blau über Grün und Gelb bis Rot. Rund 175 Meter hinter dem Flugzeug hat das Farbspiel ein Ende: Dort geraten die Partikel in die turbulenten Wirbelschleppen und wachsen fortan unterschiedlich schnell. Die verschiedenen Größen wiederum führen dazu, dass Licht unterschiedlicher Wellenlängen diffus reflektiert wird – die Wolke erscheint weiß.

Nach Angaben der Forscher sind diese Wolken hierzulande aber kaum zu beobachten. Damit sich „aerodynamische Kondensstreifen“ bilden, muss die Atmosphäre wärmer als minus 40 Grad Celsius und relativ feucht sein. Erst dann können die Eiskristalle eine nennenswerte Größe erreichen. Diese Bedingungen sind eher über den Tropen zu finden.

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