Lungenkrebs : Neuartiger Wirkstoff verlängert Überleben

Immuntherapie hilft der Körperabwehr bei Krebs auf die Beine. Jetzt wurde ein Wirkstoff gegen Lungenkrebs, den größten Killer, in der EU zugelassen:

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Gefahr in der Lunge. Die grafische Darstellung zeigt zwei Geschwülste in der rechten Lunge.
Brandgefährlich. Lungenkrebs wird meist zu spät entdeckt. Eine Heilung ist dann nicht mehr möglich.Foto: Imago

Es ist keine alltägliche Medikamentenzulassung. Der neuartige, gentechnisch hergestellte Wirkstoff Nivolumab, der vor kurzem von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht bekam, kann für viele Lungenkrebspatienten einen spürbaren Fortschritt bedeuten und ihr Überleben verlängern. Die Substanz attackiert den Krebs nicht direkt, sondern stärkt die Körperabwehr – und ist effektiver und verträglicher als die herkömmliche Chemotherapie. Die Behandlung wird als Immuntherapie bezeichnet.

Nivolumab (Markenname „Opdivo“) ist der erste Wirkstoff, der nach dem Prinzip der Immuntherapie funktioniert und der zur Behandlung eines häufigen Tumors zugelassen wurde. Er blockiert PD-1, ein Eiweißmolekül auf Immunzellen, das seinerseits die Abwehr von Krebszellen hemmt. Wird PD-1 ausgeschaltet, können die Abwehrzellen Tumorgewebe besser zerstören.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts starben 2013 knapp 45 000 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs, mehr als an Brustkrebs (18 000) und Darmkrebs (17 000) zusammen. Lungenkrebs wird häufig erst in fortgeschrittenen Stadium erkannt und ist dann meist nicht mehr heilbar.

Die Zulassung betrifft 25 Prozent aller Lungenkrebsfälle

Nivolumab wurde bei verschiedenen Formen von Lungenkrebs getestet. In der EU zugelassen wurde der Wirkstoff nun bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Lunge, die zuvor erfolglos mit Chemotherapie behandelt wurden. Etwa jeder vierte Lungenkrebspatient hat ein Plattenepithelkarzinom.

In einer Studie mit 272 Plattenepithelkarzinom-Patienten betrug das mittlere Überleben in der Nivolumab-Gruppe neun Monate, in der Chemotherapie-Gruppe nur sechs Monate. Nach einem Jahr lebten noch 42 Prozent der Nivolumab-Patienten, in der Chemotherapie-Gruppe waren es 24 Prozent. Der Hersteller Bristol-Myers Squibb hat auch die Zulassung für eine weitere Gruppe von Lungentumoren (Nicht-Plattenepithel) in der EU beantragt.

Die Immuntherapie ist eine echte Sensation“, sagt Martin Reck, Chefarzt der Lungenklinik im schleswig-holsteinischen Großhansdorf. Von einer „großartigen Innovation“ spricht sein Kollege Jens Kollmeier vom Berliner Helios-Klinikum Emil von Behring. Erprobt wird, ob Nivolumab bereits früher in der Therapie von Lungenkrebs eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.

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