Macht des Lebens : William Haseltine: Biotechnik löst unsere Probleme

Gesundheit und ewige Jugend, Essen und Energie im Überfluss – das alles wird es in Zukunft geben, wenn wir auf die Biotechnik setzen. Sagt zumindest der amerikanische Gentechnik-Pionier William Haseltine, 66.

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Foto: Nanobiosym
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Haseltine präsentierte seine Ideen am Montagabend im Pausenfoyer des Berliner Schiller-Theaters, eingeladen vom „Convoco“-Veranstaltungsforum der Anwältin und Unternehmerin Corinne Michaela Flick.

„Leben ist mächtig“, sagte Haseltine. Es sei ungeheuer vielfältig, im Kern unsterblich und dazu imstande, Energie von einer Form in eine andere umzuwandeln. Diese Eigenschaften werden uns helfen, unsere Bedürfnisse zu befriedigen, prophezeit der Wissenschaftler. Etwa wenn es darum geht, mit Hilfe von Mikroorganismen wie Bakterien Energie in Form von Ethanol, Benzin oder Dieseltreibstoff zu gewinnen. Entweder direkt „aus Luft und Sonnenlicht“ oder über die Umwandlung von Holz in Treibstoff. „Wir können es schaffen“, sagte Haseltine.

Nicht weniger rosig sieht der ehemalige Aidsforscher die Perspektiven genetisch veränderter Nahrungsmittel. Mit der Gentechnik könne man den Anteil gesunder Inhaltsstoffe im Essen erhöhen und Vitaminmangel bekämpfen, Pestizide einsparen und salzige Böden nutzen. Zwar gebe es vor allem in Europa starke Vorbehalte, doch werde sich der Schwerpunkt der „grünen“ Gentechnik ohnehin nach Indien und China verlagern, wo man diese Technik „aggressiv“ fördere.

Das „Geheimnis der Unsterblichkeit“ verbirgt sich für Haseltine in der Vereinigung von Spermium und Eizelle. Er verdeutlichte das am Beispiel eines 30jährigen Paares, das ein Kind zeugt. Im Moment der Verschmelzung von Ei und Spermium werde aus zwei 30 Jahre alten Keimzellen neues Leben. „Die Uhr wird um 30 Jahre zurückgestellt.“

Heute kann man dieses Drehen an der Lebensuhr mit genetischer Manipulation ganz normaler Zellen erreichen. Das werde unseren Blick auf das Altern als einem Prozess biologischen Zerfalls grundlegend ändern. Die Rückprogrammierung „wird es erlauben, dass wir uns selbst einen jüngeren Körper zusammenbauen“, sagte Haseltine voraus.

Wer Haseltine für einen reinen Träumer hält, der irrt. Als führender Kopf an der Harvard Medical School hat sich der Wissenschaftler ebenso einen Namen gemacht wie als Unternehmensgründer. Dennoch sind Haseltines Visionen bislang kaum Wirklichkeit geworden.

1992 hob der Forscher die Biotechnik-Firma Human Genome Sciences aus der Taufe. Bis heute hat das Unternehmen nach manchem Auf und Ab – darunter einer mehrjährigen Liaison mit dem Genominstitut Tigr des Erbgut-Entzifferers Craig Venter – kein Produkt auf den Markt gebracht. 2004 zog sich Haseltine aus der Firma zurück. Zuvor hatte er rund zwei Milliarden Dollar von Investoren für das Unternehmen eingeworben. Rückschläge und Kritik wegen umstrittener Gen-Patente unter anderem an einem Erbmerkmal des Aidsvirus haben Haseltine offenkundig nicht viel anhaben können und seinen Optimismus nicht erschüttert. Auch materiell geht es ihm gut. Der Kunstsammler und Liebhaber dunkler Anzüge und dünnrandiger Brillen ist heute vor allem als Berater tätig, leitet eine von ihm gegründete gemeinnützige Stiftung und residiert im 86. Stockwerk des New Yorker Trump Tower.

Unausweichlich kam die Diskussion nach Haseltines Vortrag auf das Thema Präimplantationsdiagnostik, PID. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, bei einem Embryo in der Petrischale genetisch bedingte Krankheiten festzustellen. Haseltine plädierte dafür, Eltern die Nutzung der PID zu ermöglichen. Gesundheitsminister Philipp Rösler hielt dagegen: Die PID habe etwas „Allmächtiges“. Aber haben Gene nicht die größere Macht? Bei schlimmen Erbkrankheiten zumindest würde Haseltine ihnen Grenzen setzen.

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