Malaria : Zahl der Erkrankten dramatisch unterschätzt

07.02.2012 08:33 Uhr

Auf 655.000 schätzte die WHO die Zahl der Malaria-Toten für das Jahr 2010. Aufgrund einer aktuellen Studie muss die Zahl erheblich nach oben korrigiert werden.

An Malaria sterben weltweit weit mehr Menschen als bisher bekannt. 1,2 Millionen Menschen fielen im Jahr 2010 der Tropenkrankheit zum Opfer und damit fast doppelt so viele wie bisher vermutet. Das geht aus einer Studie hervor, die jetzt im Fachmagazin „Lancet“ erschienen ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) war von insgesamt 655.000 Malariatoten im Jahr 2010 ausgegangen. Das Team um Christopher Murray von der Universität von Washington in Seattle hingegen kommt zu dem doppelten Wert.

Nach eigenen Angaben griffen sie auch auf die Befragung von Angehörigen unlängst Verstorbener zurück, weil in vielen Ländern die Todesursache oft nicht genau ermittelt wird. Wie die WHO kamen auch die amerikanischen Forscher zu dem Schluss, dass die meisten Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auftraten. Allerdings liegt bei Murrays Analyse der Anteil der Todesfälle bei älteren Kindern und Erwachsenen mit 42 Prozent höher als bei der WHO.

Die Studie meldet jedoch auch Fortschritte im Kampf gegen die Tropenkrankheit. Demnach war die Zahl der Malariatoten zwar seit 1985 jedes Jahr angestiegen, jedoch wurde im Jahr 2004 der Höhepunkt mit 1,8 Millionen Toten erreicht. Seitdem gehe die Zahl der Todesfälle wieder zurück. Als Grund geben die Wissenschaftler bessere Medikamente und die Verteilung imprägnierter Moskitonetze an.

Die Ausgaben der wichtigsten Akteure im Kampf gegen Malaria stiegen von 250 Millionen Dollar (etwa 190 Millionen Euro) im Jahr 2001 auf mehr als zwei Milliarden Dollar (mehr als 1,5 Milliarden Euro) im Jahr 2009. Der Anstieg bei den Ausgaben und die verstärkte Aufmerksamkeit der Politik hätten Wirkung gezeigt, sagen die Forscher – und warnen zugleich davor, in den Bemühungen nachzulassen. Zwar gibt es eine wirksame Malariatherapie, zu der aber längst nicht alle Zugang haben. Noch immer können sich Millionen von Infizierten das Kombinationspräparat, das als wesentlichen Bestandteil den Wirkstoff Artemisinin enthält, nicht leisten. (AFP)

Heinz Sielmann Stiftung

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