Max Planck : „Man kommt hier schlecht weg“

Für Jahrzehnte prägte Max Planck das wissenschaftliche Leben Berlins. Sein Haus war auch gesellschaftlicher Mittelpunkt, bis der Krieg alles zerstörte.

Dieter Hoffmann

„... seit 1889 bin ich hier in Berlin an der Universität, erst als Extraordinarius, dann als Ordinarius und bin jetzt emeritiert, also ein alter Berliner. Aber so richtige alte Berliner gibt’s eigentlich gar nicht, die hier geboren sind … doch wenn man einmal in Berlin gelandet ist, kommt man hier schlecht weg; denn hier ist doch schließlich der Mittelpunkt aller geistigen Bewegung in Deutschland.“

Dies bekannte der Physiker Max Planck im Jahre 1942 in einem autobiographischen Porträt. Dass man in der Zeit um die Jahrhundertwende schlecht aus Berlin wegkam und die Stadt ein Mekka naturwissenschaftlicher, speziell physikalischer Forschung war, dazu hatte nicht zuletzt Plancks eigenes Wirken beigetragen.

Max Planck hat nicht nur als Vater der Quantentheorie und führender theoretischer Physiker seiner Zeit das wissenschaftliche Leben Berlins geprägt. Er wurde auch zum Repräsentanten der gesamten deutschen wissenschaftlichen Gemeinschaft. Dabei begnügte er sich nicht damit, nur für den eigenen Forscherruhm zu sorgen. Er empfand und praktizierte auch Verantwortung für das Schicksal der Gesamtwissenschaft, ein Engagement, das seinem beruflichen Ethos und seiner preußischen Pflichtauffassung entsprach.

In der zweiten Lebenshälfte hat Planck zahlreiche leitende Funktionen übernommen und in diesen stetig wachsenden Einfluss auf die Wissenschafts- und Forschungspolitik in Deutschland und namentlich für die Profilierung des Wissenschaftsstandorts Berlin ausgeübt. Man kann ihn deshalb durchaus als einen der ersten Wissenschaftsmanager im Sinne der Moderne bezeichnen.

Jahrzehntelang engagierte er sich in der Berliner Physikalischen Gesellschaft, deren Öffnung zur Deutschen Physikalischen Gesellschaft er Ende des Jahrhunderts auch als deren Vorstand maßgeblich mitgestaltet hatte. Auch als Rektor der Universität in den Jahren 1913 und 1914, beständiger Sekretär der Akademie (1912-1938) und als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (1930-1937) trug er enorme Verantwortung für das Profil der Stadt. So war es nicht zuletzt seinen Bemühungen zu verdanken, dass Physiker wie Albert Einstein, Max von Laue, Erwin Schrödinger oder Peter Debye für Berlin gewonnen werden konnten, was der Stadt zu noch mehr Glanz als Forschungsmetropole verhalf.

Sein großes Arbeitspensum bewältigte Planck mit großer Selbstdisziplin und einem streng geregeltem Tagesablauf. „Punkt acht, Sommer wie Winter“ wurde im Hause Planck gefrühstückt, danach fuhr der Forscher vom Berliner Grunewald mit der Stadtbahn in die Universität, worüber es die Erinnerung eines Studenten gibt: „Sein Zug fuhr oft parallel mit meinem, und ich konnte dann Max Planck sehen, wie er in einem Abteil, das mit Angestellten und Ladenmädchen gefüllt war, in seinen Notizen zur Vorbereitung der Vorlesung studierte.“

Nach der Vorlesung kehrte Planck meist zum Arbeiten nach Hause zurück, wobei sich der ambitionierte Pianist am Nachmittag oft Zeit zum Klavierspiel nahm. Der Abend war auch im Hause Planck häufig für Geselligkeiten reserviert. Man ging regelmäßig zu den Konzerten der Philharmoniker, besuchte Vorträge und andere Veranstaltungen oder empfing Gäste zu Abendessen und Hausmusiken. An diesen nahmen nicht nur Akademikerkollegen wie Einstein, sondern auch Prominenz aus der Berliner Kultur und Öffentlichkeit teil. Plancks Haus einen Salon im traditionellen Sinne zu nennen, wäre zwar etwas übertrieben, doch war es eine wichtige Adresse des Berliner gesellschaftlichen Lebens.

Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und der Zweite Weltkrieg bedeuteten auch hier einen Einbruch in die bildungsbürgerliche Idylle. Nicht nur, dass häufige Gäste wie Einstein, Fritz Haber oder Lise Meitner in die Emigration gezwungen wurden, das Haus selbst brannte nach einem Bombenangriff im Februar 1944 vollständig aus – mitsamt der Bibliothek sowie den unersetzbaren wissenschaftlichen Aufzeichnungen, Tagebüchern und der Korrespondenz des Gelehrten. Planck selbst hatte sich schon im Jahr zuvor auf das Gut eines befreundeten Industriellen nach Rogätz an der Elbe zurückgezogen, wo er auch das Kriegsende erlebte; im Frühsommer 1945 siedelte er dann nach Göttingen um.

Planck ist nie wieder nach Berlin zurückgekehrt, doch versuchte die Stadt ihn schon unmittelbar nach seinem Tod zu ehren. Der damals noch junge Bernhard Heiliger erhielt den Auftrag für ein Denkmal im Vorhof der Berliner Universität. Die unkonventionelle Ausführung des Denkmals und die Verwerfungen des Kalten Kriegs führten aber dazu, dass das Denkmal erst 2006 an diesem Platz aufgestellt wurde.

Von Dieter Hoffmann ist jetzt das Buch „Max Planck – Die Entstehung der modernen Physik“ erschienen, Verlag C.H. Beck, 2008, 128 Seiten, 7 Euro 90.

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