Medizin : Charité: Steglitz wird Klinikum für Ältere

11.02.2011 11:24 UhrVon Tilmann Warnecke
Renovierungsbedarf. Im Benjamin-Franklin-Klinikum müssen die OP-Säle saniert werden. Foto: promo
Renovierungsbedarf. Im Benjamin-Franklin-Klinikum müssen die OP-Säle saniert werden. - Foto: promo

Charitéchef Einhäupl will aus dem Benjamin-Franklin-Klinikum ein Zentrum für Altersmedizin machen. Gleichzeitig räumt er "Defizite" beim Arbeitsklima an der Charité ein.

Vernachlässigt die Charité ihr Steglitzer Benjamin-Franklin-Klinikum? Diese Ängste kommen an der Freien Universität immer wieder auf, deren Naturwissenschaften eng mit dem Klinikum Steglitz verzahnt sind. Das Uniklinikum könne unter dem Dach der Charité einen langsamen Tod sterben – unter anderem auch, weil bei den dringenden Baumaßnahmen zunächst am meisten am Standort Mitte getan wird.

Den Vorwurf wies Charité-Chef Karl Max Einhäupl jetzt auf einer Veranstaltung der CDU Steglitz-Zehlendorf zurück. Er sei „gekränkt, wenn gesagt wird, dass wir Steglitz aufgeben wollen“. Er habe sich wiederholt für die Rettung des Klinikums eingesetzt.

„Steglitz muss als universitärer Standort und als Teil der Charité erhalten bleiben.“ Die Charité spiele international nur deshalb eine herausragende Rolle, weil sie mit drei Standorten (Steglitz, Mitte, Wedding) über die nötige „kritische Masse“ verfüge. Einhäupl verwies darauf, dass die OP-Säle in Steglitz saniert würden. Die Hälfte der Mittel, die die Charité aus dem Konjunkturprogramm bekommen habe, sei ans Franklin-Klinikum geflossen.

Künftig soll Steglitz ein Zentrum für die Altersmedizin werden. „Fünf bis acht Jahre“ werde es dauern, bis das Konzept umgesetzt sei, sagte Einhäupl. Bei Neuberufungen setze der Vorstand auf Forscher, die in ihrem Fach einen Schwerpunkt auf die Krankheiten älterer Menschen setzten. Bisher nehme allein die Geriatrie für sich in Anspruch, alte und multimorbide Patienten zu behandeln. Das sei nicht zukunftsfähig. Wichtige Fächer wie Kardiologie, Gastroenterologie und Neurologie würden auch künftig an allen drei Standorten universitär vorgehalten werden: „Auf jedem Campus muss ein komplettes Krankenhaus stehen.“

Und wie könnte die Charité ihr finanzielles Dauerproblem lösen? Einhäupl strebt eine Zusammenarbeit mit Pharmakonzernen an. Gemeinsam könne man Medikamente entwickeln, an deren Verkauf die Charité beteiligt wird. Einen Vertrag mit dem Unternehmen Sanofi-Aventis habe die Charité bereits abgeschlossen. Einhäupl regte auch eine andere Rechtsform für die Charité an. Als GmbH könne die Charité Kredite aufnehmen. Ein Ansinnen, das Christian Goiny, der für die CDU im Abgeordnetenhaus sitzt, skeptisch sah. Wenn das Land Berlin bei seinen Einrichtungen solche Rechtsformen wähle, „sinkt oft die parlamentarische Kontrolle, ohne dass das Unternehmen effizienter wird“, sagte Goiny. Abschreckendes Beispiel sei die Einstein-Stiftung.

Die Option, als GmbH private Investoren an Bord zu holen, lehnte Einhäupl ab. Das Uniklinikum Marburg/Gießen, das vom Rhön-Klinikkonzern betrieben wird, sei kein Vorbild. „Unikliniken mit ihren Lehr- und Forschungsaufgaben sollten in öffentlicher Hand betrieben werden.“

Eine Vertreterin des Personalrats beklagte das schlechte Arbeitsklima an der Charité. Die Mitarbeiter müssten immer mehr arbeiten, eine Wertschätzungskultur existiere aber nicht. Tatsächlich gebe es dort ein „Defizit“, gab Einhäupl zu. Der Vorstand denke über Schulungen für Führungskräfte nach.

Heinz Sielmann Stiftung

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