Medizin : Coronavirus wird kaum aufgehalten

Der neue gefährliche Erreger kann die Immunabwehr in den Atemwegen ähnlich leicht umgehen wie bestimmte Erkältungs- oder Sars-Viren.

Gefährliche Erreger. Coronaviren unter dem Mikroskop.
Gefährliche Erreger. Coronaviren unter dem Mikroskop.Foto: dpa

Zu diesem Schluss kommen Forscher vom Kantonspital in St. Gallen nach Laborversuchen. Im Fachmagazin „mBio“ berichten sie zudem, dass Patienten womöglich mit einer Immuntherapie behandelt werden könnten. Das Virus war erstmals im Juni bei einem Mann aus Saudi-Arabien aufgefallen, der an einer Atemwegsinfektion und Nierenversagen starb. Bislang sind zwölf Krankheitsfälle bekannt geworden, sechs Menschen starben an der Infektion.

Der Erreger gehört zur selben Gruppe wie Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom). Beide Coronaviren sind nach Angaben der Studienautoren um Volker Thiel und Ronald Dijkman eng mit Fledermaus-Viren verwandt. Das lege nahe, dass die Erreger von Tieren auf den Menschen übergegangen seien. „Wir wissen nicht, ob die Fälle, die wir beobachten, die Spitze des Eisbergs sind oder ob viel mehr Menschen infiziert sind, ohne schwere Symptome zu zeigen“, sagte Thiel einer Mitteilung zufolge.

Das Team experimentierte mit Gewebekulturen von menschlichen Zellen aus den Atemwegen, die für das Immunsystem wichtig sind. Für die Studie infizierten die Forscher solche Epithelzellkulturen von drei verschiedenen Menschen. Die Coronaviren vermehrten sich in diesen Zellen überraschend gut und anfangs schneller als Sars-Viren. Sie umgingen die angeborene Immunabwehr ähnlich gut wie verschiedene Erkältungsviren.

Um die schwache Immunreaktion zu verbessern, behandelten die Forscher die Gewebezellen mit Interferonen, bevor sie die Zellen mit Viren infizierten. Den Angaben zufolge befielen die Viren daraufhin weniger Zellen. Interferone sind Eiweiße, die das Immunsystem stimulieren und vom Körper selbst hergestellt werden. Patienten mit Viruserkrankungen wie Hepatitis C oder eben Sars werden mit Interferonen behandelt. Die Ergebnisse seien ermutigend, dass damit eine Therapiemöglichkeit bestehe für Patienten mit dem neuen Coronavirus, hieß es.

Erst kürzlich hatte die WHO nach einem neuen Erkrankungsfall zu Wachsamkeit aufgerufen; der Patient ist am Sonntag gestorben. Der aktuelle Fall sei ein weiteres Indiz, dass eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch möglich sein könnte, erklärte die WHO in Genf. Eine solche direkte Ansteckung sei zwar bislang nicht nachgewiesen worden, jedoch sei Vorsicht geboten. dpa

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