Medizin : Das Erbgut kann vor Ebola schützen

Ebola verschont niemanden. Allerdings gibt es Menschen, denen eine Infektion wenig anhaben kann. Die Ursache sind feine genetische Unterschiede.

Sascha Karberg
Ebolaviren unter dem Elektronenmikroskop.
Nahaufnahme. Ebolaviren unter dem Elektronenmikroskop.Foto: NIAID

Das Ebolavirus infiziert junge und alte Menschen, Männer genauso wie Frauen, ob nun kerngesund oder angeschlagen. Doch nicht bei jedem Infizierten führt die Infektion zu den lebensbedrohlichen Symptomen wie Durchfall, Erbrechen oder zum Ausbruch des gefürchteten hämorrhagischen Fiebers, bei dem sich die Leber verfärbt, die Milz anschwillt und die Patienten schließlich innerlich verbluten.

In Westafrika liegt die Sterberate nach Ebolainfektion bei etwa 70 Prozent. Warum einige Menschen mit dem Virus besser fertig werden als andere, ist unbekannt. Eine Vermutung ist, dass ihr Immunsystem durch frühere Infektionen mit anderen Erregern zufällig eine gewisse Resistenz entwickelt hat. Angela Rasmussen und Michael Katze von der Universität Washington meinen, dass feine genetische Unterschiede im Erbgut die Menschen mehr oder weniger anfällig für das Ebola-Virus machen. Darauf weisen Untersuchungen hin, die das Forscherteam kürzlich (in einem Hochsicherheitslabor) an Mäusen gemacht haben und im Fachblatt „Science“ veröffentlicht hat.

Bisher konnten Forscher nur Hamster, Meerschweinchen und Makaken mit Ebola infizieren und einen typischen Krankheitsverlauf nachstellen. Die gängigen Labormäuse können zwar mit Ebola infiziert werden und sterben auch bald daran, sie zeigen aber die typischen Ebolasymptome nicht. Doch nur für Mäuse haben Forscher die gentechnischen Werkzeuge zur Verfügung, um Virusinfektionen zu erforschen – beispielsweise ein Gen aus dem Maus-Erbgut zu entfernen, um zu testen, ob Ebola-Viren davon abhängig sind.

Rasmussen und Katze verwendeten Kreuzungen von Inzuchtmausstämmen, die etwa 90 Prozent der genetischen Variabilität der Hausmaus Mus musculus repräsentieren. Sie testeten insgesamt 47 dieser Mausstämme und alle verloren in den ersten Tagen nach der Infektion an Gewicht. 33 der Stämme entwickelten eine starke, lebensbedrohliche Ebola-Erkrankung. Ein Teil davon (9) zeigte eine Leberentzündung, andere (16) eine gestörte Blutgerinnung – beim Menschen ein typischen Anzeichen für hämorrhagisches Fieber. Über die Hälfte dieser Mäuse starb. Fünf Mausstämme waren zumindest teilweise resistent, weniger als die Hälfte dieser Tiere starb.
Neun Stämme ließ die Seuche „unbeeindruckt“, so die Forscher in einer Pressemitteilung. Offenbar schützte die Tiere ihr besonderes genetisches Make-up. Sie überlebten die Krankheit nicht nur, sondern kamen sogar binnen zwei Wochen auf ihr altes Gewicht.

Zwar sind die Ergebnisse der Mausexperimente nur bedingt auf den Menschen übertragbar. Beispielsweise mussten die Forscher einen Ebola-Virus-Stamm benutzen, bei dem 13 der 19000 Erbgutbausteine des Virus verändert sind, um Mäuse infizieren zu können. Dennoch können Forscher jetzt den Verlauf der Krankheit genauer studieren und abschätzen, welche Gene Ebolainfizierte vor einem tödlichen Krankheitsverlauf schützen und damit Ansatzpunkte für neue Medikamente sind.

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