Medizin : Gezüchtetes Lebergewebe als Alternative zur Organspende

In Mäuse verpflanztes Gewebe wächst mit und übernimmt Funktionen der Leber.

Hannah Seidl
Ingenieurskunst. Aus Leberzellen, Bindegewebezellen und Zellen der Gefäßinnenwand züchten Forscher Leber-ähnliche Strukturen.
Ingenieurskunst. Aus Leberzellen, Bindegewebezellen und Zellen der Gefäßinnenwand züchten Forscher Leber-ähnliche Strukturen.Foto: Stevens et al., Science Translational Magazine (2017)

Forscher in den USA haben eine neue Methode entwickelt, um Lebergewebe zu züchten und zu vermehren. Die Gewebestrukturen enthalten drei der menschlichen Leber entnommene Zelltypen. In Mäuse-Bauchhöhlen eingesetzt begannen sie zu wachsen und Aufgaben der Leber zu übernehmen. Sangeeta Bhatia vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und ihre Kollegen veröffentlichten dazu eine Studie im Fachblatt „Science Translational Medicine“.

Hoffnung für chronisch Leberkranke

Gezüchtete Organe könnten nicht nur die Knappheit an Spenderlebern ausgleichen und damit Patienten helfen, die etwa aufgrund von Leberzirrhose oder Hepatitis lebensbedrohlich erkrankt sind. Profitieren würden auch Menschen mit chronischen Leberleiden, die gar nicht erst auf eine Warteliste für ein Organ kommen. „Es ist vorstellbar, die Leberfunktion dieser Patienten durch eine kleine, künstliche Leber zu unterstützen“, sagte die Studienautorin Bhatia.

Die Forscher setzen auf eine zentrale Stärke von Leberzellen, nämlich ihre Fähigkeit, sich zu vermehren und neues Gewebe zu bilden. Wie ein Samen sollen die kleinen Strukturen in den Empfängerkörper eingepflanzt werden und dort heranreifen und wachsen.

Entstehendes Gewebe ähnelt Leber

Die Wissenschaftler bastelten Strukturen, die dreidimensionale, organähnliche Gebilde umfassen. Diese bestehen aus drei Zellarten: den Leberzellen, Bindegewebezellen und Zellen der Gefäßinnenwand (Endothel). Die Gewebestrukturen wurden in Fibrin eingebettet, einem für die Blutgerinnung zuständigen Protein. In den Mäusekörpern empfingen die Implantate „regenerative Signale“, also Wachstumsfaktoren, Enzyme und Moleküle, wie das auch bei Leberschäden erfolgt. Die Zellen der Gefäßinnenwände bildeten Blutgefäße und förderten die Vermehrung von Leberzellen. Das Gewebe wuchs um das 50-fache. Der Aufbau des entstehenden Gewebes ähnelt laut den Forschern stark jenem der Leber.

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