Medizin : Herausforderer Krebs

Mediziner fordern Politiker zum Handeln auf: In einem "Strategieplan Krebs" hat die Deutsche Krebsgesellschaft Vorschläge für eine wirkungsvollere Vorbeugung und Behandlung von Krebs zusammengetragen.

Adelheid Müller-Lissner

Großen Handlungsbedarf sehen die Experten bei der Sammlung der Patientendaten aus allen Behandlungsphasen. Nur wenn sie in ein klinisches Krebsregister einfließen, können sie der Forschung weiterhelfen. „Die tägliche Versorgung ist für die Krebsmedizin eine der besten Datenquellen – und doch wird sie am schlechtesten genutzt“, sagte Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft.

Bessere Dokumentation und flächendeckende Krebsregister sind auch eines der Ziele des „Nationalen Krebsplans“ der Regierung. Die Fachgesellschaft kommt mit ihrem Strategieplan der Bundesgesundheitsministerin zuvor, die in der nächsten Woche den Stand in Sachen „Nationaler Krebsplan“ präsentiert.

An den Diskussionen zu diesem Plan beteiligt sich die Krebsgesellschaft zwar ebenso wie die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren. „Gleichzeitig möchten wir mit unserem Strategieplan jedoch zeigen, was medizinische Experten denken“, sagte Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik in Erlangen.

Jedes Jahr werden in Deutschland 430 000 Krebserkrankungen festgestellt, rund fünf Millionen Menschen leben in unserem Land, die Krebs haben oder überwunden haben. Für jeden Einzelnen sei das lebensverändernde Potenzial der Krankheit immer noch groß, sagte Johannes Bruns.

Der Kreis der Betroffenen wird mit der höheren Lebenserwartung zunehmen, denn Krebs ist vor allem ein Altersleiden. Dazu kommt, dass einige Erkrankungen inzwischen besser heilbar sind oder zu chronischen Leiden werden, die für einige Zeit in Schach gehalten werden können. Fünf Jahre nach Diagnosestellung leben noch 60 Prozent der weiblichen und 53 Prozent der männlichen Krebspatienten. Bei Brustkrebs, der häufigsten Krebsart der Frauen, sind es 81 Prozent.

Ein weiteres Anliegen der Krebsgesellschaft wird nicht so schnell Eingang in den Nationalen Krebsplan finden: Die Behandlung möglichst aller Krebspatienten in größeren Zentren, in denen Fachleute verschiedener Disziplinen zusammenwirken. In einem dreistufigen Modell gibt es dabei Zentren, die sich auf Krebs in einem bestimmten Organ spezialisieren, darüber stehen organübergreifende Onkologische Zentren, an der Spitze schließlich wenige „Comprehensive Cancer Center“. Elf von ihnen will die Deutsche Krebshilfe bis Jahresende etabliert haben, eines davon existiert bereits an der Berliner Charité.

Bei den Organzentren ist Brustkrebs mit 215 Zentren Vorreiter. Neun von zehn Patientinnen werden in einem solchen Zentrum behandelt. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf 600 Kliniken. „In einigen von ihnen werden nur fünf Frauen im Jahr operiert, das ist weder fachlich noch ökonomisch vernünftig“, kritisierte Bruns. Auf diese Einschätzung habe man sich allerdings bei den Verhandlungen zum Krebsplan nicht einigen können. Adelheid Müller-Lissner

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