Medizin-Skandal : Charité-Professor Kiesewetter beurlaubt

Mit "Bio-Viagra", einer Potenzpille auf pflanzlicher Basis, machte Holger Kiesewetter, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin der Charité, vor einem halben Jahr Schlagzeilen. Jetzt verlässt er die Uniklinik.

Die Berliner Uniklinik wirft Kiesewetter vor, für seine Untersuchungen nicht die gängigen wissenschaftlichen Maßstäbe angelegt zu haben. Sie erstattete Anzeige, und die Berliner Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf – unter anderem wegen des Verdachts, dass in Sachen „Bio-Viagra“ gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen wurde. Jetzt ist Kiesewetter auf eigenen Antrag von der Charité beurlaubt worden, wie eine Sprecherin der Uniklinik gestern dem Tagesspiegel sagte. Über die weiteren Vereinbarungen sei Stillschweigen vereinbart worden.

Kiesewetter war auch schon vor der Affäre um das angebliche Potenzmittel auf Kräuterbasis mit umstrittenen Behauptungen und Studien aufgefallen. So propagierte er als Sprecher des „Arbeitskreises Immunologie“ eine Nasensalbe, die vor Pollen schützen sollte. Für die lediglich aus Vaseline bestehende „Pollenschutzcreme“ gebe es keine Wirksamkeitsnachweise und der behauptete Wirkmechanismus sei abenteuerlich, warf ihm daraufhin die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie vor.

Vor zehn Jahren präsentierte Kiesewetter den „Höhepunkt in der bisherigen wissenschaftlichen Knoblauchforschung“. Es handelte sich um eine Studie, die zeigen sollte, dass Knoblauchpillen gegen Gefäßverkalkung helfen. Unabhängige Wissenschaftler kritisierten jedoch erhebliche Mängel der Untersuchung, die von der Firma Lichtwer („Kwai“-Knoblauchpillen) finanziert worden war. Fehler in der statistischen Analyse wurden korrigiert, ein positiver Effekt zeigte sich danach nur noch bei Frauen. wez

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