Medizin : Wie Akupunktur lindert

Die Akupunktur ist in China seit mehr als 2000 Jahren im Einsatz und wird heute überall auf der Welt angewendet. Dennoch schlägt dieser traditionellen Therapieform immer wieder Skepsis entgegen.

Ulrike Gebhardt

Die Akupunktur ist in China seit mehr als 2000 Jahren im Einsatz und wird heute überall auf der Welt angewendet. Dennoch schlägt dieser traditionellen Therapieform immer wieder Skepsis entgegen. Zwar ist die Wirksamkeit, etwa zur Linderung von Rücken- oder Kniegelenkschmerzen, belegt. Aber das Bedürfnis, einen medizinischen Effekt durch eindeutige biologische Mechanismen zu erklären, erfüllt die Akupunkturforschung bisher nur in Ansätzen. Man weiß etwa, dass infolge der Nadelstiche im zentralen Nervensystem körpereigene Opioide, Endorphine, ausgeschüttet werden, die eine allgemeine Schmerzlinderung erklären könnten. Doch auch eine „Scheinakupunktur“ wirkt, bei der die feinen Nadeln nicht so tief oder nicht in die klassischen „Akupunkturpunkte“ gestochen werden.

Maiken Nedergaard und ihre Arbeitsgruppe vom Center for Translational Neuromedicine an der US-amerikanischen University of Rochester hat nun im Experiment an Mäusen einen biologischen Mechanismus entdeckt, über den die Akupunkturnadel in direktem Umfeld des Stiches eine Schmerzhemmung bewirkt. Wie die Forscher im Fachblatt „Nature Neuroscience“ (online vorab) berichten, trat als Folge der kleinen Gewebeverletzungen, die durch die feine Nadel verursacht wurden, das körpereigene Molekül Adenosin aus den geschädigten Zellen aus und sammelte sich im Gewebe an. Hier konnte es sich an Nervenfasern anheften, die daraufhin weniger Schmerzbotschaften an das Gehirn sendeten.

Fügten die Forscher den Mäusen eine schmerzhafte Entzündung an einer Pfote zu und stachen dann eine Nadel in einen Akupunkturpunkt unterhalb des Knies der gleichen Pfote, waren die Tiere deutlich weniger berührungsempfindlich als ohne Behandlung. Die halbstündige Akupunkturanwendung war allerdings nur erfolgreich, wenn die Nadel, wie bei einer klassischen Therapie durchaus üblich, alle fünf Minuten rotierend bewegt wurde. Keinen Erfolg brachte die Akupunktur, wenn die Nadel am unversehrten Bein der Tiere gesetzt wurde oder bei Mäusen, die wegen eines gentechnischen Eingriffs überhaupt keine Andockstellen für das Adenosin besitzen.

Die durch das Adenosin ausgelöste Schmerzlinderung ist nur von kurzer Dauer, da freies Adenosin rasch von molekularen Werkzeugen bearbeitet wird, um eine Wiederaufnahme in die Zellen zu ermöglichen. Hemmten die amerikanischen Wissenschaftler nun aber diesen Abbau während der Akupunktur mit dem Krebsmedikament Deoxycoformycin, hielt die Schmerzlinderung nicht nur eine, sondern rund drei Stunden an. Medikamente, die den Adenosin-Stoffwechsel beeinflussen, könnten daher, so die Forscher, die Ansammlung von Adenosin in der Umgebung der Akupunkturnadel verstärken und auf diese Weise den Erfolg der Therapie verbessern.

Allerdings wird es wohl kaum Ärzte geben, die die Akupunkturwirkung mit einem stark wirksamen Medikament wie dem Deoxycoformycin steigern. Zudem sei die Akupunkturwirkung sicherlich nicht nur auf einen Mechanismus zurückzuführen, sondern beinhalte viele Prozesse, sagt Dominik Irnich von der Schmerzambulanz am Klinikum der Universität München. Um sämtliche Effekte der Akupunktur für den Patienten nutzbar zu machen, dürfe der ganzheitliche Ansatz der Akupunktur nicht vernachlässigt werden und damit auch die psychologischen Effekte etwa durch den intensiven Kontakt zwischen Patient und Behandelndem. Ulrike Gebhardt

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