Medizinethik : Großbritannien erlaubt Drei-Eltern-Babys

Als erstes Land weltweit lässt Großbritannien zu, dass Babys mit dem Erbgut dreier Menschen ausgetragen werden - zumindest in klinischen Studien. Die Mitochondrien-Ersatz-Therapie soll schwere Erbleiden verhindern.

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Großbritannien lässt das Austragen von Kindern mit drei Elternteilen zu.
Großbritannien lässt das Austragen von Kindern mit drei Elternteilen zu.Foto: picture-alliance/dpa

Die britische Aufsichtsbehörde HFEA hat als erste weltweit explizit erlaubt, dass in klinischen Studien Drei-Eltern-Babys erzeugt und geboren werden dürfen. Mit der Technik sollen Mütter, die ein hohes Risiko haben, eine schwere mitochondriale Erbkrankheit weiterzugeben, die Chance auf ein gesundes Kind bekommen. Kliniken im Vereinigten Königreich können sich bei der Behörde nun um eine Lizenz bewerben, zusätzlich soll jeder Fall einzeln geprüft werden. Allein die Universität Newcastle rechnet mit 25 Paaren pro Jahr. Die ersten Versuche könnten im März 2017 beginnen, heißt es. Das britische Unterhaus hatte bereits Anfang 2015 zugestimmt.

Eines von 5000 Kindern kommt mit fehlerhaften Mitochondrien zur Welt. Diese kleinen Zellteile sind für die Energieversorgung der Zelle zuständig und haben ihr eigenes Erbgut: 37 Gene. Unter anderem für Herz, Hirn und Muskeln ist es ungünstig, wenn sie durch einen Erbgutdefekt zu schwach sind oder ausfallen. Es gibt keine Heilung. Viele Eltern sind verdammt, ihrem Kind beim Sterben zuzusehen. Wenn sie ein weiteres Baby bekommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es ihm ebenso ergehen wird.

Die ersten Drei-Eltern-Babys sind bereits auf der Welt

Forscher um Doug Turnbull von der Universität Newcastle wollen diese Lotterie beenden. Sie entkernen die Eizelle einer Spenderin, so dass nur noch die Hülle mit den gesunden Mitochondrien vorhanden ist. In diese Hülle setzen sie den Zellkern einer befruchteten Eizelle ein – mit allen relevanten Erbinformationen von Mutter und Vater. Die 37 Mitochondrien-Gene der Spenderin sollen ausschließlich dafür sorgen, dass die Zellkraftwerke gesund sind.

Die HFEA-Entscheidung wurde mit Ungeduld erwartet. Schließlich sind bereits Drei-Eltern-Babys gezeugt und geboren worden. Verzweifelte Eltern hatten sich an Kinderwunschzentren in Mexiko und in der Ukraine gewandt, wo die Technik nicht reguliert ist.

Dieses Voranpreschen sehen die meisten Forscher kritisch. Die Mitochondrien-Ersatz-Therapie müsse zunächst in klinischen Studien geprüft werden. Sie könne vermutlich nicht immer den Ausbruch der Krankheit verhindern, berichtete Shoukrat Mitalipov von der Oregon Health and Science University in Portland im Fachblatt „Nature“. Es würden immer auch einige „kaputte“ Mitochondrien übertragen. Diese könnten sich später vermehren. Dementsprechend sollte die Entwicklung der Kinder langfristig beobachtet werden.

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