MEDIZIN FÜR DAS LEBENSENDE : Eine gute Versorgung spart auch Geld

Es gebe zu wenige und zu wenig gute Studien zu einer Medizin, die sich um Linderung am Lebensende bemüht, stellt der Bremer Gesundheitswissenschaftler Norbert Schmacke in einer Analyse des Forschungsstands fest (veröffentlicht in der „Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen“ Band 105, Seite 171). Diese Aschenputtelrolle der palliativen Medizin erklärt er mit der Dominanz jener (überwiegend von der Industrie finanzierten) Studien, die auf die Entwicklung neuer Produkte und Märkte zielen. Selbst die komplizierte Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen bei der Versorgung Sterbender lasse sich mit den in der medizinischen Forschung üblichen Methoden untersuchen.

Aus den spärlichen guten Studien ergibt sich, dass der Nutzen einer guten Palliativversorgung bei besonders schwer verlaufenden Krankheitsfällen am größten ist. Auch Defizite wurden von der Versorgungsforschung aufgedeckt. So ist die Krebsschmerztherapie vielfach noch immer unzulänglich, obgleich schon vor Jahrzehnten ein gültiges Behandlungsschema entwickelt und von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wurde. Andere Studien wiesen nach: Ersetzt man zugunsten der Lebensqualität intensivmedizinische durch palliative Maßnahmen, so verkürzt dies nicht die Lebenserwartung schwerkranker Krebspatienten.

Ökonomische Studien lässt Schmacke außer Betracht. Sie wären geeignet, um Kassen und Politik vom Sparpotenzial der Palliativversorgung zu überzeugen, meint er. In der Veranstaltung des Hauptstadtkongresses verwies Barbara Schubert vom Dresdner St. Josefsstift jedoch auf eine Leipziger Studie. Danach wurden durch eine gute Palliativversorgung pro Patient in seinen letzten drei Lebensmonaten 20 000 Euro erspart, weil unnötige Klinikaufenthalte vermieden werden konnten. R. St.

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