Medizinstudium : Angst vorm Arzt light

Wie sinnvoll ist es, das Medizinstudium in Bachelor und Master zu unterteilen? Selbst entschiedene Befürworter der Bolognareform zögern, wenn es um die Frage geht, ob die Medizinerausbildung in Europa in zwei Zyklen organisiert werden soll.

Uwe Schlicht

Zusammen umfassen Bachelor und Master nach dem Bologna-Schema eine Studiendauer von fünf Jahren. Dieses Verfahren ist auf das Medizinstudium nicht ohne Weiteres zu übertragen. In der EU gilt als Referenzrahmen für das Medizinstudium eine sechsjährige Ausbildung mit 5500 Semesterstunden. Das betonte die Berufsexpertin der Europäischen Kommission in Brüssel, An Baeyens, vor kurzem auf einer Tagung zur Medizinerausbildung in Berlin.

Das ist Wasser auf die Mühlen des deutschen medizinischen Fakultätentages. Dessen Vertreter Peter Nippert erklärte, den Bachelor wolle man nicht haben. Gerade erst sei das Medizinstudium in Deutschland so reformiert worden, dass die Trennung in einen vorklinischen Abschnitt mit einer naturwissenschaftlichen Ausbildung und in eine klinische Ausbildung am Krankenbett aufgehoben wurde. Würde man die Zweiteilung in Bachelor und Master auf die Medizin übertragen, könnte das integrierte Reformstudium in der Medizin erneut infrage gestellt werden. Der Fakultätentag will auch am medizinischen Staatsexamen festhalten.

Diese skeptische Sicht wurde von David Gordon, dem Präsidenten der Vereinigung der medizinischen Fakultäten in Europa, verstärkt. Bei der Einführung der Bolognareform hätten die europäischen Bildungsminister nicht die Absicht gehabt, das Medizinstudium in Bachelor und Master zu gliedern. Auch heute noch wollten viele Länder in Europa keinen Bachelor-Master in der Medizin. Was man von Bologna übernehmen könne, erstrecke sich lediglich auf die Einführung von Kreditpunkten für Studiums-Leistungen oder von Modulen als neuen Einheiten von Vorlesungen und Seminaren.

Auf der anderen Seite stehen die Befürworter von Bachelor und Master in der Medizin. Solche Befürworter gibt es in der Hochschulrektoren- und in der Kultusministerkonferenz. Auch die Berliner Charité kann sich wie berichtet vorstellen, das Studium in einer Bachelor- und Master-Struktur zu organisieren. Natürlich wollen die Befürworter keinen „Arzt light“ nach sechs Semestern, wohl aber den Zwang zur Berufswahlentscheidung schon während des Studiums und nicht erst nach dem Staatsexamen. So könnte ein Medizinstudent, der später in der Forschung tätig werden möchte, nach dem Bachelor ein Biochemie-Studium für molekulare Medizin als Master anschließen. In diesem Sinne äußerte sich Peter Suter, Präsident der Schweizer Akademie für Medizinische Wissenschaft. Die Schweiz habe Bachelor und Master in der Medizin eingeführt – und damit gute Erfahrungen gemacht. Uwe Schlicht

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