Meeresbiologie : Chemischer Notruf

Putzhilfe am Riff: Korallen rufen Fische herbei, um Algen loszuwerden.

Retter. Die Korallengrundel frisst Haaralgen (rechts im Bild) und schützt so die Koralle.
Retter. Die Korallengrundel frisst Haaralgen (rechts im Bild) und schützt so die Koralle.Foto: Science

Tropische Korallen schützen sich auf ungewöhnliche Weise vor dem Bewuchs mit giftigen Meeresalgen. Sie setzen Signalstoffe frei, die bestimmte Fische herbeirufen. Diese beißen die Algenfäden entweder nur ab oder nutzen sie auch als Nahrung, berichten amerikanische Biologen im Fachjournal „Science“.

Als Mark Hay und Danielle Dixson Korallenriffe vor den Fidschi-Inseln erforschten, stellten sie fest, dass die schnell wachsende Korallenart Acropora nasuta bei Kontakt mit Fäden der giftigen Haaralge Chlorodesmis fastigiata chemische Substanzen ins Wasser abgibt. Daraufhin nähern sich der Berührungsstelle nach wenigen Minuten zwei Arten von Grundeln, die den Tang entfernen. Die Fische reagieren nicht auf Inhaltsstoffe der Haaralge. Mit einem Extrakt des giftigen Tangs konnten die Forscher die Bodyguards jedenfalls nicht alarmieren. Erst der Kontakt des Extrakts mit den Korallen löste den chemischen Notruf aus.

Nach einer Säuberungsaktion ließ sich das Algengift bei der Blaupunkt-Korallengrundel Gobidon histrio im Darm nachweisen. Durch Aufnahme der toxischen Substanz könnte sich der Fisch davor schützen, von Räubern gefressen zu werden, die das Gift nicht vertragen, vermuten die Biologen. Die Rotkopf-Grundel Paragobidon enchinocephalus dagegen fraß den Tang nicht, sondern beschränkte sich aufs Abbeißen der Algenfäden. Beide Grundelarten nutzen die Korallen zum einen, um sich vor Feinden verstecken zu können. Zum anderen finden sie in der Umgebung des Riffs Nahrung in Form von Plankton und Schleim, den die Korallen produzieren. wsa

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