Meeresbiologie : Containerschiff rammt Forschungsschiff

Forscher stirbt, als ein italienisches Schiff innerhalb von Minuten versinkt

Emiliano Feresin

Ein russischer Meeresbiologe ertrank und ein Italiener wurde schwer verletzt, als das Forschungsschiff, auf dem sie arbeiteten, vor der Küste Siziliens von einem Frachtschiff gerammt wurde und innerhalb von Minuten sank.

Das Schiff, die Thetis, vermaß rund sieben Kilometer vor der Küste der Insel marine Biomasse, als es im Nebel der frühen Morgenstunden von dem 55.000 Tonnen schweren unter panamaischer Flagge fahrenden Containerschiff Heleni gerammt wurde.

"Die Wissenschaftler an Bord erzählten, es wäre ihnen vorgekommen wie die Apokalypse, als das Containerschiff aus dem Nichts auf sie zukam", erklärt Ennio Marsella, Leiter des Instituts für küstennahe Umweltforschung in Neapel, dessen Wissenschaftler für das Projekt verantwortlich zeichneten.

Das 200 Tonnen schwere italienische Schiff sank in Minuten, so dass keine Zeit für den Einsatz von Rettungsbooten oder -westen blieb. "Es war eindeutig, dass es für uns kein Entkommen gab", berichtet Giusy Buscaino, Leiterin der Mission, "also rannte ich zum Heck, sprang ins Wasser und schwamm so schnell wie ich nur konnte. Es war so unwirklich, sich umzusehen und kein Geräusch zu hören, kein Schiff zu sehen, während das große Containerschiff einfach weiterfuhr, als sei nichts geschehen."

Der getötete Forscher, der 53-jährige Petr Mikhejchik vom Nationalen Russischen Forschungsinstitut für Fischerei und Meereskunde in Moskau, war vermutlich in einem der Labors unter Deck einschlossen worden.

Taucher bargen seine Leiche einige Tage später. Die übrigen sieben Wissenschaftler und sechs Besatzungsmitglieder überlebten.

Mikhejchik war "ein sehr zurückhaltender Mensch, dabei freundlich und in hohem Maße kompetent", sagte Buscaino. Sie werden ihr Projekt nicht aufgeben, ergänzte sie. "Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, bei naturwissenschaftlicher Arbeit ums Leben zu kommen - doch wir alle denken, wir sollten weitermachen, schon weil wir es Petr schuldig sind."

Warnung

Die Ursachen des Unglücks werden derzeit untersucht. Die zuständigen Hafenbehörden in Sizilien hatten die Heleni wiederholt gewarnt, dass sich im näheren Umkreis weitere Schiffe befänden. Die Behörden hatten zudem am 24. Juli eine Anordnung an alle Schiffe herausgegeben, einen Mindestabstand von 1000 Metern rund um die Thetis einzuhalten, die gerade den Hafen verlassen hatte.

Die Thetis, vom Stapel gelassen im Jahr 2000, ist ausgestattet für biologische, geologische und chemische Forschungsprojekte und hat Instrumente im Wert von mehr als € 1 Mio. an Bord. Es ist eines von drei Meeresforschungsschiffen der staatlichen italienischen Forschungseinrichtung CNR, zu dem auch das Forschungsinstitut in Neapel gehört.

Die russischen Meeresbiologen und ihre italienischen Kollegen arbeiten seit mehr als 20 Jahren zusammen. "Ihre Fähigkeiten ergänzen unsere", erklärt Marsella.

Erste Berichte der Taucher lassen auf massive Schäden an der Thetis schließen, für das CNR derzeit noch ungewiss, ob das Schiff wieder zum Einsatz gebracht werden kann. Es liegt nur rund 40 Meter unter der Meeresoberfläche, und die Wissenschaftler hoffen, einige der an Bord befindlichen Instrumente bergen zu können.

"Über Tod unseres Kollegen werden wir nie hinwegkommen", sagt Marsella.

Dieser Artikel wurde erstmals am 6.8.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi:10.1038/news070806-2. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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