Wissen : Mehr als 100 Sieger in der Lehre

Wettbewerb: Auch Unis aus Berlin ausgezeichnet

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111 Hochschulen erhalten in den kommenden Jahren zusätzliches Geld für die Lehre. Die Hochschulen – darunter acht aus Berlin – gingen als Sieger aus der ersten Wettbewerbsrunde im Rahmen des Qualitätspakts für Lehre hervor. Für jedes Vorhaben stellt der Bund im Schnitt jährlich gut eine Million Euro zur Verfügung, wobei die Summe je nach Projektgröße variieren kann. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von einem „dynamischen Schub für die Wertschätzung der Lehre“, als sie die Ergebnisse am Mittwoch in Berlin bekannt gab. Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD), der Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, nannte den Wettbewerb „ein besonderes Ereignis“: Es sei schließlich der erste bundesweite Wettbewerb für die Lehre.

Aus Berlin werden die Freie Universität und die Humboldt-Universität gemeinsam für den Modellstudiengang der Charité gefördert. Die HU brachte ein weiteres Projekt alleine durch, für das sie mit 13 Millionen Euro für fünf Jahre rechnet. Dabei sollen die Übergänge von der Schule in die Uni genauso wie später von der Uni in den Beruf verbessert werden. Ebenso wurden Vorhaben von drei FHs (Hochschule für Technik und Wirtschaft, Hochschule für Wirtschaft und Recht, Alice-Salomon-Hochschule) und drei Kunsthochschulen (Weißensee, Hanns-Eisler- sowie Ernst-Busch-Hochschule) ausgewählt. Leer gehen die TU, die UdK sowie unter den größeren Berliner FHs die Beuth-Hochschule aus. Allerdings müssen auch diese Hochschulen nicht alle Hoffungen begraben: Im kommenden Jahr wird eine weitere Runde des Wettbewerbs entschieden.

Anders als bei der sehr selektiven Exzellenzinitiative für die Forschung kam bei dem Lehrwettbewerb jeder zweite Antrag durch. Die Juroren berücksichtigten alle Bundesländer und alle Hochschultypen: 52 Unis, 47 Fachhochschulen und 12 Kunst- und Musikhochschulen. Heidelberg und Hamburg sind einige der wenigen großen Unis, die nicht bedacht wurden. Schavan sagte, es sei um eine „breite“ Förderung gegangen, um große Multiplikationseffekte zu erreichen.

Die HU-Sprachwissenschaftlerin Karin Donhauser, die für die Jury sprach, erklärte, das „Spektrum an Lösungen“ für eine Verbesserung der Lehre sei sehr groß gewesen. Viele Hochschulen wollten die Eingangsphase des Studiums verbessern. Auch der Umgang mit einer immer heterogener werdenden Studierendenschaft stehe im Mittelpunkt zahlreicher erfolgreicher Anträge. Aber es gehe auch um die Lösung „lokaler Probleme“. Beispielsweise werde die Palucca-Hochschule in Dresden ausgezeichnet, die ihre Tanzausbildung modernisieren wolle.

Für den Wettbewerb will der Bund bis 2020 insgesamt zwei Milliarden Euro ausgeben. Das sind deutlich weniger als die 1,1 Milliarden Euro pro Jahr, die nach Ansicht des Wissenschaftsrats zusätzlich zur bisherigen staatlichen Finanzierung für die Verbesserung der Studienbedingungen nötig sind. Die jetzt ausgewählten Vorhaben werden zunächst bis 2016 gefördert. Das gilt auch für die Sieger der Runde im kommenden Jahr. Alle Projekte sollen dann untersucht werden, sie können bei einer positiven Bewertung bis 2020 verlängert werden. Nicole Gohlke, hochschulpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, kritisierte, Schavan setze mit dem Wettbewerb ihre „Politik der Preisausschreiben“ fort.

Die von Schavan im Rahmen des Qualitätspakts für Lehre ursprünglich ebenfalls geplante „Akademie für Lehre“ wird es dagegen nicht geben. Die Akademie sollte zunächst als eine Art Deutsche Forschungsgemeinschaft für die Lehre fungieren. Später gab es Überlegungen, daraus ein Zentrum für die Hochschuldidaktik zu machen, an dem freigestellte Professoren forschen. Doch unlängst hat die Ministerin selbst die Akademie für „tot“ erklärt. Stattdessen müssten die bestehenden hochschuldidaktischen Zentren der Unis gestärkt werden. Tilmann Warnecke

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